Spörks Kuba als Kabarett

„Meine Frau spricht akzentfrei Deutsch, auch wenn sie nicht akzentfrei aussieht“, versichert Christof Spörk den „im Kabarett traditionell versammelten Gutmenschen.“ Am Mittwoch waren das viele begeisterte Premierengäste bei Spörks neuem Programm „Kuba“. Der Musikkabarettist ist mit einer Kubanerin verheiratet, die beiden haben vier Kinder und er weiß: Kuba ist ein Paradies. „Sie haben alles, vor allem keinen Winter. Man muss den Schnee nicht wegschaufeln, wenn er da ist und nicht herblasen, wenn er nicht da ist.“

Außerdem vermisst Spörk in Österreich das Autostoppen, das in Kuba weit verbreitet ist: „Unsere Autos sind wie unsere Kirchen: groß und leer.“ Zwischen persönlichen Anekdoten und politischen Gedanken ist Spörk mit Akkordeon oder Keyboard bei Liedern wie der „Alternative-Fakten-Polka“ oder dem Minnesang zur Gleichbehandlungsanwaltschaft voller Leidenschaft am Werk. Als Zugabe gibt er ein kubanisch-österreichisches Beatbox-Werk mit Fußloopgerät zum Besten: „Gemma ham!“ Vom Gutmenschen-Publikum in der Kulisse gab es Standing Ovations!

Spörk Flyer

Autostoppen ist nur einer von vielen Vorteilen an Kuba.

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Eckel redet über Gefühle

Vorstellungen von Klaus Eckel sind voll. Da darf man nicht an Klaustrophobie leiden. (Tusch!) – Auch in seinem neuen Soloprogramm feuert der Wiener alle zwei Sätze eine Pointe ins Publikum. Das erfordert Aufmerksamkeit. Aber die zahlt sich aus. Denn die meisten seiner Gedanken, Wortspiele und Fragestellungen sind lustig und intelligent zugleich. „Wir sind irrationale Wesen. Es gibt viele Menschen, die mit ihrem Körper unzufrieden sind, aber keiner ist es mit seinem Gehirn. Wieso eigentlich? Keiner sagt, da oben könnte ich ein bisschen zunehmen.“ Eckel nennt sein Programm „Ich werde das Gefühl nicht los“ und spricht über Angst, Freude und andere Gefühle, die unser Leben komplett bestimmen. Diese Woche war umjubelte Premiere im Stadtsaal. Fazit: Große Freude!

Wer Eckel sehen will, muss sich bald Karten sichern

Eckel wird das Gefühl nicht los, aber dafür jede Menge Eintrittskarten.

Böhmermann singt Udo Jürgens

Über Jan Böhmermanns „hochpolitischen Schlagerabend“ mit dem genialen Rundfunk-Tanzorchester Ehrenfeld im Wiener Gasometer ist schon fast alles gesagt worden. Zum Beispiel auf ORF.at. Aber eben nur fast. Denn ein absoluter Höhepunkt des zweistündigen Konzertes war der Song „Tausend Jahre sind ein Tag“.

Jan Böhmermann und das Rundfunk-Tanzorchester Ehrenfeld

Jan Böhmermann und das Rundfunk-Tanzorchester Ehrenfeld setzen auf Glitzer und Pelz

Ist man noch frei, wenn man nichts wagt?
Die Titelmelodie der Fernsehserie Es war einmal der Mensch wurde einst von Udo Jürgens gesungen und hat es inhaltlich in sich: „Wie wird der Mensch zum Nimmersatt? Wer alles hat, kriegt noch Rabatt. Und woher kam die Gier nach Geld? Wie kommt der Hunger auf die Welt? Warum kommt jemand in Verdacht, nur weil er sich Gedanken macht? Ist man noch frei, wenn man nichts wagt? Ja, was ein junger Mensch so fragt…“ Der Text einer Kinderserie – und ein absoluter Hörtipp.

Erikas geile Late-Night-Show

Mein Freund ist schwarz. Jetzt hab ich immer Angst, dass ich etwas Falsches sage. Er hat mich letztens oral befriedigt und mir ist etwas sehr Blödes rausgerutscht: „Ja! Du Sklave! Besorgs mir!“ Dann hat er kurz aufgeschaut, seinen Mund abgewischt und die Brille aufgesetzt. Ich hab gesagt: „Ja, ich habs nicht so gemeint, wie du denkst, wie ichs gemeint habe.“ Und er sagt: „Ich weiß.“ Und so haben wir Rassismus gelöst.

„Geil“ heißt das erste Soloprogramm von Erika Ratcliffe. Am Samstag hatte die 25-jährige „halb Japanerin, halb Österreicherin“ um 22.00 Uhr Premiere im Kabarett Niedermair. Die Comedienne trägt Gedanken und Anekdoten über Rassismus, Masturbation, Feminismus, Terror, Behinderte, Holocaust, Furze und auch Vergewaltigung vor. „Es ist mir egal, wenn die Leute nicht lachen. Es bleibt im Programm!“, sagt sie selbstbewusst, wenn dem Publikum das Lachen im Hals stecken bleibt. Nach 50 Minuten Pointen und Anti-Pointen ist auch schon wieder Schluss – und Erika Ratcliffe schlägt vor: „Gemma saufen!“ Fazit: Kurzweilige, provokante und geile Late-Night-Show, die sich bei der Premiere unter anderem auch „Was gibt es Neues?“-Moderator Oliver Baier und Liedermacher Der Nino aus Wien nicht entgehen haben lassen.

Erika Ratcliffe

Erika Ratcliffe setzt auf provokanten, schwarzen Humor – durchaus mit Tiefgang.

Das Beste von BlöZinger

Sie sind so etwas wie die österreichische Version von Laurel und Hardy: das Kabarettduo BlöZinger. Mit mittlerweile sieben Programmen begeistern die beiden Kabarettisten Robert Blöchl und Roland Penzinger ihr Publikum.  Am Freitag haben sie mit ihrem ersten Best-of-Programm „Vorzügliche Betrachtungen“ im ausverkauften Wiener Stadtsaal Premiere gefeiert. Die sympathischen Schauspieler und Clowns liefern dabei eine beeindruckende Leistungsschau ab. Sie zeigen mit großer Spielfreude, warum sie bereits zweimal beim Österreichischen Kabarettpreis ausgezeichnet wurden und jetzt sogar den Deutschen Kleinkunstpreis gewonnen haben.

Wie niemand sonst in der Kabarettbranche verstehen sie es, fast ohne Requisiten und mit perfekter Körpersprache Kopfkino zu erzeugen. Sie schlüpfen in Dutzende Figuren, wechseln diese blitzschnell und fordern damit die Fantasie des Publikums. Dazu kommen intelligenter, schwarzer Humor und clownesk-spielerischer Unfug.

blözinger auf leinwand

In der Pause werden auf der Leinwand Fotos aus BlöZingers Schaffenszeit gezeigt.

Geschichten mit Fantasie
Wie absurd ihre Geschichten sind, wird erst klar, wenn man versucht, ihre Sketche nachzuerzählen. Einmal spielen sie zwei Single-Männer, die sich auf Selbstfindungstrip im Märchenwald verirren. Später philosophieren BlöZinger als grantiger Pensionist und kiffender Zivildiener im Beisein des Sensenmanns über das Leben.  Im nächsten Sketch sind sie Zwillingsembryos, die sich im Bauch der Mutter zanken.

Dann wiederum fahren sie in einem 30 Jahre alten Fiat, der mit Kaugummi zusammengeklebt ist und mit Gasluftballons in den Himmel aufsteigt. Auf der Rückbank sitzen eine Tante mit Tourette-Syndrom, ein Lachyoga-Guru und eine Katze. Vorne zanken sich zwei ungleiche Brüder. Das Autoradio zerstört einstweilen eine Bee-Gees-Kassette. Auch im Zug sind BlöZinger unterwegs – in der Rolle eines Gangster-Duos, das im Abteil Tischtennis und Seilhüpfen spielt. Klingt schräg? Ist es auch! Aber umso lustiger.

Fazit: BlöZinger ist ein Duo, das mit seinen Geschichten in die Kabarettgeschichte eingehen wird. Unbedingt live erleben!

Buchtipp: BlöZinger – Und davon kann man leben? von Florian Kobler – ein humorvolles Taschenbuch über das schrägste Clown- und Kabarettduo Österreichs.

10 Fakten über das Kopftuch

Das Kopftuch tragen nur unterdrückte muslimische Frauen? Von wegen! Das viel diskutierte Stück Stoff gab es zu allen möglichen Zeiten, in allen möglichen Kulturen und hat alle möglichen Bedeutungen. Das Weltmuseum zeigt das in der Ausstellung Verhüllt, Enthüllt!. Vor dem Besuch hätten vermutlich die wenigsten gewusst oder daran gedacht, dass…

    • im mittelalterlichen Venedig das Kopftuch Reichen vorbehalten war. Die Stoffe waren wertvoll und teuer. Sklaven und Prostituierten war es verboten, eines zu tragen.
    • die Jungfrau Maria, die katholischen Frauen als Vorbild dienen soll, auf sämtlichen Abbildungen Kopftuch trägt – als Gegenteil zur Sünderin Eva, die immer nackt und mit wallendem Haar dargestellt wird.
    • aztekische Männer in Bruderschaften Kopftuch trugen.
    • Atatürk, Begründer der Republik Türkei, das Kopftuch in den 1920er Jahren verboten hat. Er wollte sich am Westen orientieren, vor allem an der französischen Verfassung.
    • in den 1950er Jahren das bedruckte Kopftuch als Modeaccessoire für Luxus, Eleganz und Emanzipation stand.
    • bei der österreichischen Tracht das Kopftuch von Anfang an Heimat und Bodenständigkeit vermitteln sollte.
    • das bedeckte Haupt zur Ordenstracht von Nonnen gehört.
    • Queen Elizabeth II. nach wie vor als persönliches Branding ein Kopftuch von Hermès trägt.
    • das Kopftuch aus der Mode der Wiener Designerin Susanne Bisovksy nicht wegzudenken ist. Sie trägt es auch selber, weil sie es schön findet.
    • die Kopftuch-Debatte seit über 2000 Jahren geführt wird und dabei eines immer gleich geblieben ist: Es sind Männer, die über den Körper der Frau bestimmen.

 

Wien wartete auf Granada

„Wenn du so gscheid bist, sog warum host so an Stress? Wo brennt’s, wos soll die Hetz? Jetz moch amol longsom, dass ’s di ned zerlegt….“, singen Granada in ihrem Lied Wien wort auf di. (Das Original heißt Vienna und ist von Billy Joel.) Am dritten Adventsamstag hat die Mundart-Band in der ausverkauften Arena Wien ihre Tour mit einem großartigen Konzert beendet.

„Ich bin ganz baff“, scherzte Sänger Thomas Petritsch zum Finale der „Baff“-Tour.

„Wien wort auf di“ spielten sie nur mit Akkordeon unverstärkt mitten im Saal unter den Fans – und alle sangen lautstark mit. Sänger Thomas Petritsch natürlich mit einer Dose Ottakringer in der Hand. Fazit: Die Band rund um den Grazer Musiker (auch bekannt als Effi) ist die vielleicht sympathischste und fröhlichste der neuen „Austropop“-Bands. Weitere Granada-Hörtipps: Ottakring und Eh ok.