Das Comeback der Kassette

Nach der Schallplatte nun auch die Kassette: Es gibt so etwas wie ein kleines Comeback des totgeglaubten Tonträgers. Seit die amerikanische Kette Urban Outfitters in ihren Filialen Kassetten im hippen Umfeld anbietet, werden sie von jungen Leuten wieder gekauft. In Deutschland wurde heuer mit Tortellini Records ein neues Label nur für Kassetten gegründet und sogar die Soundtracks der relativ neuen Filmserien Guardians Of The Galaxy und Stranger Things (Netflix) gibt es auf Kassette.

Kassetten wie die Star-Wars-Hörspiele werden hoch gehandelt

Kassetten wie die Star-Wars-Hörspiele werden hoch gehandelt

Sammler digitalisieren alte Tapes und stellen die Aufnahmen samt Cover auf YouTube. Und Preise für alte Kassetten schießen weltweit in die Höhe – weniger bei Kinderkassetten, sondern bei Musik und Hörspielen für Erwachsene. Kassetten zu Filmen wie Star Wars oder Indiana Jones kosten auf Onlineplattformen bis zu 50 Euro.  Tipp: Wer noch spannende Kassetten zuhause hat: ausgraben, anhören – oder verkaufen! Es gibt genug, die noch Freude daran haben.

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Hai-Soundtrack aus Wien

Die Filmmusik zu Der weiße Hai von John Williams ist weltberühmt. Jetzt gibt es mit „The MEG“ einen neuen Hai-Blockbuster – mit Musik von einem anderen Williams, Komponist Harry Gregson-Williams. Der Soundtrack (Hörprobe) wurde in Wien vom Synchron Stage Orchester aufgenommen. Eine Top-Werbung für die Musikhauptstadt!

„Jeder, der Musik macht, träumt davon, nach Wien zu kommen. Willst du Country-Musik, gehst du nach Nashville, willst du ein Orchester, dann nach Wien“, streut auch  Jon Turteltaub den Rosenhügel-Studios in Wien Rosen. Der Hollywood-Regisseur kam extra aus Los Angeles angereist, um die Aufnahmen zu besuchen. Übrigens: Auch die Filmmusik von Mission: Impossible 5 – Rouge Nation wurde in Wien aufgenommen.

Harry Gregson-Williams (c) Heinz Zeggl

Hollywood-Komponist Harry Gregson-Williams in Wien. (c) Heinz Zeggl

Böser Hai im Kino
In „The MEG“ gehts um einen bösen, bösen Riesenhai, der ein U-Boot angreift und manövrierunfähig macht. Ein Team bestehend aus Forschern und Tauchern (mit Actionheld Jason Statham) bricht auf, um die Besatzung zu retten und den mehr als 20 Meter langen Hai zu töten. Der Streifen kommt Ende August ins Kino.

„Nackte“ Bands und Bier am Popfest

Das Popfest ist einer der vielen Gründe, warum Wien so eine großartige Stadt ist. Das alljährliche Musikfestival vor der Karlskirche ist gratis, gemütlich – und lädt ein, neue Popmusik aus Österreich kennenzulernen. Insgesamt treten rund 60 Acts – von Mavi Phoenix über Naked Lunch bis Kreisky – an vier Tagen auf. Eine Entdeckung ist dieses Jahr die Synthiepop-Band Naked Cameo, die soeben ihr Debütalbum „Of Two Minds“ veröffentlichte. Sehr hörenswert sind die Songs Pocket Dial und Luddite.

Eine lustige Geschichte, die entfernt etwas mit Luddite zu tun hat: Der Regisseur des Musikvideos hatte im Vorjahr großes Pech. Er kaufte einem Wiener Totengräber einen 1983er Toyota Camry ab.  Doch kaum hatte er das Liebhaberstück vor seiner Wohnung abgestellt, wurde es gestohlen. Die Diebe benützten den Camry als Rammbock und fuhren damit in die Auslage eines Wiener Juweliers. Noch in derselben Nacht stürmte die Sondereinheit WEGA die Wohnung des noch ahnungslosen Regisseurs.

Zurück zum Popfest: Die Halbe Bier kostet inklusive Einsatz fünf Euro. Um weniger als die Hälfte bieten Jugendliche mit Rucksäcken ihre gekühlten Dosen rund um die Karlskirche an. Weil diese Art des Straßenverkaufs illegal ist, werden sie von den Securitys vom Gelände geleitet. Ein Katz- und Mausspiel, bei dem niemand böse ist.

Naked Cameo am Popfest 2018

Eine Entdeckung am Popfest 2018: Naked Cameo und ihr Debütalbum „Of Two Minds“

Hier spielt gerade Kreisky am Popfest, die Band von Austrofred.

Hier spielt gerade Kreisky vor der Karlskirche – die Band von Austrofred.

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Das Krankenhaus als Kunstgalerie

Österreichs größtes Krankenhaus, das Wiener AKH, ist nicht gerade für seine Schönheit bekannt. Zu Unrecht, denn im Inneren befinden sich nicht nur rund 50 Operationssäle, 1.800 Betten und endlose Gänge mit rotem oder grünem Farbschema, sondern auch eine Kunstgalerie. Ausgestellt sind hier ausnahmsweise einmal keine Naturfotos mit aufmunternden Zitaten oder religiösen Sprüchen, sondern echte Kunst. Ein Blick auf die wechselnden Ausstellungen lohnt sich  – auch für Gäste.

Loys Egg

Die Werke von Loys Egg verlassen die begrenzte Fläche der Leinwand und wandern in den Raum.

Gottfried Mairwöger

Gottfried Mairwöger gestaltet Farbfelder und Farbströme mit Ölfarben.

Franz Unzeitig - Code

„Code“ von Franz Unzeitig. „Alle Wesen seiner Bilder sind freie, tanzende Strukturen, deren Bewegungszustand und Erregtheit der Künstler zu fixieren versucht.“

Manfred Simma - Steinbilder

Steinbild von Bewährungshelfer und Künstler Manfred Simma.

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Jazzfest in der Müllverbrennungsanlage

Dort, wo täglich Berge an Restmüll verbrannt werden, hat am Samstag das Wiener Jazzfest begonnen. Tausende kamen, um in der Müllverbrennungsanlage Spittelau bei zwei Euro Eintritt Livemusik zu erleben. Bereits seit 21 Jahren gibt es Open-Air-Konzerte in der künstlerischen Anlage von Friedensreich Hundertwasser. Es war der Wunsch des Architekten gewesen, das Haus für alle zu öffnen.

Einer der Höhepunkte war heuer die Band 5/8erl in Ehr’n. Tiefenentspannt spielten die Musiker im Sitzen ihre Wienerlieder, die Jazz, Soul und andere Genres streifen. Alles war so gechillt, dass sogar die Charitynummer Schweigeminute für Traiskirchen von Raoul Haspel der Stimmung keinen Abbruch tat. Eine Minute Stille! Aber es funktionierte.
Mit ihren Hits Badeschluss (Das Lied ertönt in den Wiener Freibädern, kurz bevor sie schließen), Alaba, How do you do? (eine Anspielung auf die Aussage eines Politikers) oder Schneid die Melone an (Böser Ohrwurm aus der Bawag-Werbung) sorgten die 5/8erl für einen musikalisch-gemütlichen Sommernachmittag in Wien. Wirklich schön!

Buchtipp: „BlöZinger – Und davon kann man leben?“ von Florian Kobler – ein humorvolles Taschenbuch über das schrägste Clown- und Kabarettduo Österreichs.

Geheimtipp: Elektropop mit Dramas

Mario Wienerroither ist weltberühmt für seinen YouTube-Kanal: Der Produzent veröffentlicht Musikvideos großer Stars – nur ohne Musik. Zu hören sind nur Geräusche wie quietschende Schuhsolen und stöhnende Tänzer. Diese „Musicless Musicvideos“ offenbaren, wie peinlich die Bilder zur Musik oftmals sind.

Nun ist Wienerroither selbst in Videos zu sehen und hören, mit eigener Musik – und das ist gut so. Gemeinsam mit Pianistin und Sängerin Viktoria Winter bildet er das neue Wiener Elektro-Pop-Duo Dramas. Das Video zum Song Libra zeigt, in welche Richtung es geht. Am Dienstagabend haben die beiden ihre gleichnamige Debüt-EP präsentiert. Der 45-minütige Auftritt im Fluc am Praterstern offenbart: Hier entsteht etwas Großes!

Dramas

Beeindruckende Stimme, mächtige Percussion, getragene, epische Orgel-, Klavier- und Synthesizerklänge: Das sind die Zutaten von „Dramas“.

Was ist das Geheimnis der Kunst?

„Ist das Kunst – oder kann das weg?“ Es ist gar nicht so einfach zu beurteilen, was ein Kunstwerk ist. Für Olaf Eulitz sind Kreativität und Können die Voraussetzung für künstlerisches Schaffen. Damit es sich aber tatsächlich um Kunst handelt, braucht es auch so etwas wie eine Aura. „Wir erwarten heute von Kunst zu Recht mehr als ein gutes Handwerksstück. (…) Wir hoffen auf ästhetische Erlebnisse, ungewöhnliche Einsichten, Originelles, Anregendes und Zeitgemäßes. Vor allem ’neu‘ sollte es sein“, schreibt der Autor. Für Eulitz ist Kunst mehr als nur Spielerei und Unterhaltung.

In seinem Buch Der Kunsthammer reist der Autor auf knapp 200 Seiten durch die Kunstgeschichte – und schenkt seinen Leserinnen und Lesern viele Kriterien und Vokabel, um über Kunst diskutieren, womöglich auch urteilen zu können.

Kunsthammer

(c) VG Bild-Kunst, Bonn 2016

„Der Kunsthammer“ – Ein Handbuch zur kritischen Kunstbetrachtung“ von Olaf Eulitz, erschienen 2016 im Novum Verlag, ist kulturblogger.at kostenlos zur Verfügung gestellt worden.