Von Müllfischern und „ultimativen Ausländern“

Der 26-jährige Oberösterreicher Berni Wagner erfüllt sich in Wien den Traum des mittellosen Künstlerdaseins – und erzählt davon in seinem neuen Kabarettprogramm „Babylon“. Diese Woche war Premiere im Kabarett Niedermair.

„Willst du mit mir Dumpstern gehen?“, wird er von einer Veganerin auf einer Party gefragt. „Ich hab das Wort nicht gekannt. (…) Noch im Müllraum dachte ich, das wäre ein Fetisch.“ Als sie ein Steak aus dem Container fischt, erklärt sie:  „Ich bin vegan. Außer beim Müll. Weil ich finde, da ist es wirklich schon hin…“. Er selbst, der drei Monate lang auf Weltreise war, findet das Müllfischen bzw. das „auf Zehenspitzen um den ökologischen Fußabdruck Herumtänzeln“ etwas heuchlerisch. „So viel Müll kannst du gar nicht essen wie du schon verflogen bist“, schimpft ihn die Banane aus Costa Rica. Außerdem erdumpstert der gierige Student so viel, dass ihm zuhause die Hälfte schlecht wird und er sie erst recht wegwerfen muss.

Berni Wagner (c) Ernesto Gelles

„Warmduscher“ ist für Berni Wagner keine Beleidigung: „Ich will nicht frieren unter der Dusche, nur weil ihr ein Männerbild aus ‚Triumph des Willens‘ habt.“

Fazit: Berni Wagner erzählt in „Babylon“ skurrile Wien-Anekdoten, die unter anderem die Doppelmoral unserer Gesellschaft aufzeigen. Mit voller Power liefert er ein sehr intelligentes Kabarett mit genialem Höhepunkt: Er hetzt das Publikum gegen die „ultimativen Ausländer“ auf – die Außerirdischen. Das Publikum freut sich und folgt dem starken Bühnenmenschen im Gleichschritt.

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Pater Martin mit Orgel-Soundtrack

Eine Weltpremiere der besonderen Art gibt es am Samstag (25.11) in der Kirche Enns-St.Marien: Der beliebte Franziskanermönch Pater Martin Bichler erzählt um 17 Uhr humorvolle Abenteuer aus seinem Leben – etwa wie er mit einem Rucksack voller Waffen in Assisi von Soldaten aufgehalten wird. Live dazu wird Marco Paolacci, Stiftskapellmeister von Zwettl, an der Orgel improvisieren. Ein einzigartiges und kurzweiliges Spektakel bei freiem Eintritt!

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Als Organist bereist Marco Paolacci, geboren 1985 in Bozen, viele Länder Europas und tritt an bedeutenden historischen Orgeln als Solist auf.

Buchtipp für Weihnachten: Pater Martin 3 – Der lachende Franziskaner von Florian Kobler (Freya Verlag). Seit 20. November überall im Handel.

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Raffael: Wie eine Reise nach Italien

„Schauen Sie sich den Bruegel an, der läuft nur noch bis Dezember. Der Raffael geht bis Jänner – und da schieben sich die Leute nur so durch.“ Den Tipp dürfte der ältere Herr am Eingang der Albertina mehreren Museumsbesuchern gegeben haben. Denn es war gerade umgekehrt. Die Raffael-Schau war zwar sehr gut besucht, trotzdem war genug Platz, um sich die 130 Zeichnungen und 18 Gemälde in Ruhe ansehen zu können.

Alle Wege führen nach Florenz und Rom

Die „drittteuerste Ausstellung“ in der Geschichte der Albertina erzählt vom künstlerischen Werdegang des  italienischen Malers, der zwischen 1483 und 1520 lebte und dessen Vorname zum Künstlername wurde.  Es ist faszinierend, was Raffael in seinen 37 Jahren Lebenszeit für die Kunstwelt geschaffen hat: von seinen Madonna-Bildern in Florenz bis zu den weltberühmten Fresken für Päpste und Bankiers in Rom. Ein Muss für Kunstinteressierte! Achja, den Bruegel haben wir uns auch noch gegeben:  ein beeindruckender Wimmelbildzeichner aus dem 16. Jahrhundert!

Rastende Soldaten

Rastende Soldaten (Pieter Bruegel)

Buchtipp für Weihnachten: Pater Martin 3 – Der lachende Franziskaner von Florian Kobler (Freya Verlag). Ab 20. November überall im Handel.

Mit Plüschhasen auf Tour

„Wir erzählen Geschichten“, sagen Georg Höfler und Sigi Mittermayr. „Unsere Lieder sind eine Mischung aus Folk, Blues und Singer-Songwriter – und zwischendurch rennt der Schmäh.“ Die beiden Oberösterreicher sind gerade mit ihrem zweiten Album „Songs & Tales“ auf Tour und haben einige Überraschungen im Gepäck. „Bei einem Stück spielen wir zu zweit auf einer Gitarre. Das macht riesigen Spaß und der überträgt sich auf das Publikum.“

Sport nach dem Studio

Das neue Album wurde in Sigis Studio in St. Stefan im Mühlviertel aufgenommen. „Nach den Aufnahmen haben wir im Nachbarhaus immer Billard gespielt. Zwei Jahre haben wir an der CD gearbeitet – wir sind also inzwischen richtig gut in Billard.“

Auch die Fangemeinde wird immer größer. Bei einem Straßenkonzert warf einmal jemand einen weißen Plüschhasen in Sigis Gitarrenkoffer. „Wir haben erst danach bemerkt, dass ein Zettel dran war – mit der Handynummer einer Dame. Angerufen haben wir nicht, aber der Plüschhase begleitet uns seither bei jedem Konzert.“ Auch im Schloss Ennsegg wird der Hase dabei sein – am 22. Oktober um 17 Uhr! Karten gibt es in allen Raibas in OÖ.

Höfler und Mittermayr im Studio

Dass Georg (r.) und Sigi (l.) mit Schlagzeuger und Bassist unterwegs sind, ist eine einmalige Geschichte. „Nach den CD-Präsentationen sind wir wieder nur zu zweit.“

Von Katzen, Tee und Vocatief

Wenn Spaziergänger am Abend plötzlich stehen bleiben, gespannt ihre Ohren spitzen und dann stürmisch applaudieren –  dann proben die sechs Jungs von Vocatief wieder einmal bei offenem Fenster. Wie kürzlich in der Wohnung von Daniel in der Nähe der Mariahilfer Straße. Umgeben von hunderten CDs und einer Hauskatze singen sie Lieder wie Kannst Du Pfeifen, Johanna? und andere beliebte A-capella-Hits. „Das mit der Katze ist eigentlich nicht so ideal, denn Stefan hat eine Katzenallergie“, erzählt Martin. „Aber sonst ist die Wohnung super, denn hier gibt es ein Klavier und jede Menge Schwarztee.“

Flüssiger Speck

Das wärmende Kräuterzeug wirkt aufputschend und ist Balsam für die Stimmbänder der jungen Sänger. „Einmal haben wir einen dermaßen geräucherten Tee getrunken, dass speckig als Geschmacksbeschreibung die Untertreibung des Jahrhunderts war.“ Spaß steht bei den durchaus intensiven Vocatief-Proben an oberster Stelle. So wird beim gemeinsamen Einsingen den ehemaligen Bandmitgliedern gedacht. „Da trällern wir etwa Malte, Malte, Ma-Ma-Ma, Malte, Malte…. zur fröhlich-beschwingten Melodie.“ Ex-Vocatief-Star Malte braut inzwischen herrliches Bier in Deutschland. Und ja – auch der Gerstensaft ist wichtig. Nach der Probe nämlich. Da stoßen die Sänger gemeinsam mit den Worten an: „Guade Prob!“ Jedes Mal.  Denn „jede Prob is a guade Prob.“

Vocatief Probe

Die Weltkugel am Tisch ist eine Teekanne…

Live zu hören sind Vocatief am 21. Oktober im Schloss Ennsegg. Karten um 15 Euro gibt es in allen Raiffeisenbanken in OÖ. Noch. Die Hälfte ist schon weg. Also schnell sein!

Elfman: Der ausgezeichnete Märchenerzähler

Jeder kennt Danny Elfman – zumindest seine Musik. Er komponierte unter anderem die legendäre The Simpsons-Titelmelodie. Eigentlich nur zum Spaß. Er hätte nie gedacht, dass die Melodie einmal öffentlich zu hören sein würde. Das erzählte Elfman eben im Konzerthaus. Der Filmkomponist ist Stargast der heurigen Hollywood in Vienna-Gala und wird mit dem Max-Steiner-Award ausgezeichnet. Zum Dank interpretiert er seinen Hit What’s this? aus dem Tim-Burton-Film „A Nightmare Before Christmas“. Zuvor stellt das ORF-Radiosymphonieorchester sein Schaffenswerk vor – mit Musik aus Batman, Men in Black, Alice im Wunderland und Edward mit den Scherenhänden.

Danny Elfman

Danny Elfman erzählt Märchen über Musik

Wenn Wien zum La La Land wird

Die Filmmusikgala „Hollywood in Vienna“ feiert ihr zehnjähriges Jubiläum – mit topaktueller Musik aus La La Land, Beauty and the Biest und Life of Pi, aber auch aus Disney-Klassikern wie Mulan und König der Löwen. Ein Traum für Filmmusikfans! Elfman sagt dazu sinngemäß: „Wien ist die Hauptstadt der klassischen Musik und Hollywood das Zentrum der Filmmusik. An diesem Abend ist beides auf wunderbare Art und Weise miteinander verbunden.“ Hoffentlich macht das „Hollywood in Vienna“ noch viele Jahrzehnte lang.

CDs Elfman

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Luke Skywalker und die Missen

„Mach sichtbar, was vielleicht ohne dich nie wahrgenommen wäre“, soll Filmregisseur Robert Bresson gesagt haben. Diesen Spruch hat sich Manfred Baumann zu Herzen genommen. Baumann, der sich in Wien vor allem als Society- und Missen-Fotograf einen Namen gemacht hat, brachte kürzlich einen Bildband im Novum Verlag heraus, eine Art Werkschau von 1991 bis 2006. Darin erzählt er, dass sein Nachhilfelehrer während seiner Schulzeit Fotograf war. Dessen Wohnung glich einer Dunkelkammer, in der viele Schwarz-Weiß-Fotografien von schönen Frauen herumlagen. Von da an wusste Baumann, dass er Fotograf werden wollte. Mit seinem ersten selbstverdienten Geld als Kaufmannslehrling bei Julius Meinl kaufte er sich eine neue Kamera. „Mit zunehmendem Alter stieg das Interesse an Frauen und Erotik. In den ersten Jahren der Modelfotografie beeinflusste mitunter auch mein Testosteronspiegel die Bildsprache.“

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Ein Fotograf mit Geheimnis

Inzwischen sind viele Jahre vergangen. Baumann reiste um die halbe Welt, fotografierte Landschaften, Obdachlose, Gefängnisinsassen – und porträtierte Stars wie Bruce Willis, Jack Black, John Malkovich und Mark Hamill alias Luke Skywalker. Sein rund 280 Seiten starker Bildband „my world of photography“ zeigt eine Auswahl davon aus 25 Jahren. Was Baumann nicht verrät, ist, wie er es schafft, an die vielen Stars heranzukommen. Doch was wäre ein Starfotograf ohne Geheimnisse?

Der besprochene Bildband wurde vom Verlag zur Verfügung gestellt.