Tiger und Pandas in Baden gesichtet

Die Stadt Baden – bekannt für sein Casino, die Kaiserzeit und seine Kur-Pensionisten – lockt aktuell mit Europas größtem Fotofestival La Gacilly. In Gassen, auf Plätzen aber vor allem in Parkanlagen wie dem Doblhoffpark werden noch bis Ende September 2.000 riesige Fotografien gezeigt – etwa schwimmend im See. Es gibt unter anderem wunderschöne Tierporträts zu bestaunen, aber auch blutige Reportagen zum Thema Wilderei in Afrika. Die Reise nach Baden lohnt sich jetzt also auch für junge Menschen. Der Eintritt für das Fotofestival ist frei!

Buchtipp: „Pater Martin“ – Anekdoten über Österreichs lustigsten Franziskaner. Drei Bücher von Florian Kobler – erschienen im Freya Verlag.

Advertisements

Rotterdams verrückte Bauten

Die niederländische Hafenstadt Rotterdam hat den Ruf, nie fertig zu sein. Und tatsächlich kommt man am Weg durch die Stadt an zahlreichen Baustellen und gerade fertig gestellten Neubauten vorbei, die eine faszinierende Alles-ist-möglich-Stimmung entstehen lassen. Vor allem das Hafengebiet wird in den letzten Jahren stets erweitert. Mit den DeRotterdam-Türmen von OMA hat die Stadt ein beeindruckendes Wahrzeichen gewonnen. Die Türme, die Wohnungen, Büroräume und ein Hotel beheimaten, wirken nicht so wuchtig, wie es die Bilder vermuten lassen. Der Standort am Wasser und die gut proportionierten Formen lassen die Türme zwar imposant, aber angenehm elegant erscheinen und geben dem Hafengebiet eine markante Skyline.

Rotterdam scheint allgemein gern mit Dimensionen zu spielen und zu experimentieren. Im Gegensatz zu den traditionell schmalen Gebäuden in den Niederlanden ist auch die Markthalle im Zentrum der Stadt ein XXL-Bau. Der witzige Entwurf von MVRDV ist eine ungewöhnliche Typologie und erinnert an einen gestrandeten Wal. Im Bauch befindet sich der Markt mit bunter Deckenbemalung. Die rundum angeordneten Wohnungen können innen durch Fenster das Markttreiben beobachten.

Der Blaak beheimatet neben der Markthalle noch weitere schräge Gebäude. Markant sind die beliebten Kubushäuser von Piet Blom, die bereits in den 70er Jahren gebaut wurden. Die Bewohner dieser Baumhäuser müssen bei der Möblierung besonders kreativ sein. Billy-Regale passen hier nicht rein.

Die Kombination aus übermütigem Baudrang und kreativem Flair macht Rotterdam zu einer faszinierenden Stadt, die sich nicht in den klassischen Check-Listen-Städtetourismus einordnen lässt. Es bleibt spannend, welche verrückten Bauten hier in den nächsten Jahren noch entstehen.

Tapetenwechsel mit Streetart

Freundliche Figuren in Schwarz-Weiß sind das Markenzeichen des Künstlers und Illustrators Millo. Weltweit malt der Italiener sie auf Hauswände. Ein Kunstwerk mit dem Titel „Unsticker“ wurde 2015 an einem Wochenende für das Calle Libre– Festival in Wien gemalt. Es lädt mit vielen Details zum Entdecken ein und erinnert damit an ein Wimmelbild aus Kinderbüchern. Praktischerweise befindet sich das Wandbild in der Andreasgasse neben einem Spielplatz.

„Unsticker“ von Millo. Hier wird ein Sticker abgelöst…

Buchtipp:Pater Martin“ – Kurzgeschichten über Österreichs lustigsten Franziskaner. Drei Bücher von Florian Kobler. Erschienen im Freya Verlag.

Das Krankenhaus als Kunstgalerie

Österreichs größtes Krankenhaus, das Wiener AKH, ist nicht gerade für seine Schönheit bekannt. Zu Unrecht, denn im Inneren befinden sich nicht nur rund 50 Operationssäle, 1.800 Betten und endlose Gänge mit rotem oder grünem Farbschema, sondern auch eine Kunstgalerie. Ausgestellt sind hier ausnahmsweise einmal keine Naturfotos mit aufmunternden Zitaten oder religiösen Sprüchen, sondern echte Kunst. Ein Blick auf die wechselnden Ausstellungen lohnt sich  – auch für Gäste.

Loys Egg

Die Werke von Loys Egg verlassen die begrenzte Fläche der Leinwand und wandern in den Raum.

Gottfried Mairwöger

Gottfried Mairwöger gestaltet Farbfelder und Farbströme mit Ölfarben.

Franz Unzeitig - Code

„Code“ von Franz Unzeitig. „Alle Wesen seiner Bilder sind freie, tanzende Strukturen, deren Bewegungszustand und Erregtheit der Künstler zu fixieren versucht.“

Manfred Simma - Steinbilder

Steinbild von Bewährungshelfer und Künstler Manfred Simma.

Buchtipp:Pater Martin“ – Kurzgeschichten über Österreichs lustigsten Franziskaner. Drei Bücher von Florian Kobler. Erschienen im Freya Verlag.

Jazzfest in der Müllverbrennungsanlage

Dort, wo täglich Berge an Restmüll verbrannt werden, hat am Samstag das Wiener Jazzfest begonnen. Tausende kamen, um in der Müllverbrennungsanlage Spittelau bei zwei Euro Eintritt Livemusik zu erleben. Bereits seit 21 Jahren gibt es Open-Air-Konzerte in der künstlerischen Anlage von Friedensreich Hundertwasser. Es war der Wunsch des Architekten gewesen, das Haus für alle zu öffnen.

Einer der Höhepunkte war heuer die Band 5/8erl in Ehr’n. Tiefenentspannt spielten die Musiker im Sitzen ihre Wienerlieder, die Jazz, Soul und andere Genres streifen. Alles war so gechillt, dass sogar die Charitynummer Schweigeminute für Traiskirchen von Raoul Haspel der Stimmung keinen Abbruch tat. Eine Minute Stille! Aber es funktionierte.
Mit ihren Hits Badeschluss (Das Lied ertönt in den Wiener Freibädern, kurz bevor sie schließen), Alaba, How do you do? (eine Anspielung auf die Aussage eines Politikers) oder Schneid die Melone an (Böser Ohrwurm aus der Bawag-Werbung) sorgten die 5/8erl für einen musikalisch-gemütlichen Sommernachmittag in Wien. Wirklich schön!

Buchtipp: „BlöZinger – Und davon kann man leben?“ von Florian Kobler – ein humorvolles Taschenbuch über das schrägste Clown- und Kabarettduo Österreichs.

Was ist das Geheimnis der Kunst?

„Ist das Kunst – oder kann das weg?“ Es ist gar nicht so einfach zu beurteilen, was ein Kunstwerk ist. Für Olaf Eulitz sind Kreativität und Können die Voraussetzung für künstlerisches Schaffen. Damit es sich aber tatsächlich um Kunst handelt, braucht es auch so etwas wie eine Aura. „Wir erwarten heute von Kunst zu Recht mehr als ein gutes Handwerksstück. (…) Wir hoffen auf ästhetische Erlebnisse, ungewöhnliche Einsichten, Originelles, Anregendes und Zeitgemäßes. Vor allem ’neu‘ sollte es sein“, schreibt der Autor. Für Eulitz ist Kunst mehr als nur Spielerei und Unterhaltung.

In seinem Buch Der Kunsthammer reist der Autor auf knapp 200 Seiten durch die Kunstgeschichte – und schenkt seinen Leserinnen und Lesern viele Kriterien und Vokabel, um über Kunst diskutieren, womöglich auch urteilen zu können.

Kunsthammer

(c) VG Bild-Kunst, Bonn 2016

„Der Kunsthammer“ – Ein Handbuch zur kritischen Kunstbetrachtung“ von Olaf Eulitz, erschienen 2016 im Novum Verlag, ist kulturblogger.at kostenlos zur Verfügung gestellt worden.

Großes Theater in der Gemäldegalerie

Zwei bis vier Sekunden verbringen Museumsbesucher durchschnittlich vor einem Bild. Das erscheint gerade bei den riesigen Gemälden im Kunsthistorischen Museum Wien erschreckend wenig. Nicht so beim Projekt Ganymed Nature. Die Idee ist so einfach wie genial: Schriftsteller und Komponisten suchen sich ein Bild in der Gemäldegalerie aus und schreiben darüber – einen Text oder ein Musikstück. Schauspieler und Musiker geben die Werke direkt vor den jeweiligen „Quellen“ zum Besten.

Ganymed1

Und so strömen bei einer Vorstellung rund 700 Besucher ausgerüstet mit Klapphocker und Plan  durch die beeindruckenden Hallen des KHM und erleben, wie Katharina Stemberger Rubens‘ „Venusfest“ in allen Details zerlegt und als Speckfaltenexplosion bezeichnet (der Text stammt von Eva Menasse), die Strottern auf der Klimtbrücke singen „mogst schaun, weil ma vo da Weitn jo nix siacht“ und Peter Wolf vor Sandrarts‘ „Fischmarkt“ erzählt, wie Hummer gefangen, bei lebendigem Leib in den Topf geworfen und gepeinigt werden. Groß und Klein, Jung und Alt lauschen wie Kinder bei einer Märchenstunde – mit großen Augen und voller Spannung. Besonders bei der Station vor Gentileschis „Ruhe auf der Flucht nach Ägypten“ ist die Stille praktisch greifbar. Da liegt Josef erschöpft auf dem Boot und vor ihm erzählt die 20-jährige Rania, die aus ihrer Heimat Kobane in Syrien geflohen ist, dass Ruhe ein wesentliches Element auf der Flucht ist…

Wer mit den üppigen, scheinbar immer gleichen Gemälden der Alten Meister voller Nackter und anderer Grauslichkeiten in der Gemäldegalerie bislang nichts anzufangen wusste, der wird sie nach Ganymed nicht nur schätzen und lieben, sondern mit völlig anderen Augen sehen. Und das unweigerlich länger als wenige Sekunden.