Hollywood in Vienna: Filmmusik in Perfektion

Wenn irgendwo im Weltraum intelligentes Leben existiert, dann wäre es spannend zu wissen, ob es dort auch so etwas wie symphonische Filmmusik gibt. Denn sie gehört zu den schönsten Erfindungen der Menschheit. Einer der fleißigsten und genialsten Komponisten der Gegenwart ist Hans Zimmer. Heuer erwies ihm Hollywood in Vienna im Konzerthaus die Ehre – und zeichnete ihn mit dem Max-Steiner-Award aus.

Hollywood in Vienna 2018

Server lahmgelegt
Dass hier ein echter Star kommt, zeigte sich bereits beim Kartenvorverkauf, der die Website des Konzerthauses stundenlang lahmlegte. Erstmals verzichtete die Veranstaltung außerdem auf Musik von anderen Komponisten. Fast drei Stunden lang wurden vom ORF Radiosymphonieorchester Wien und der gut gelaunten Hans-Zimmer-Band ausschließlich Werke des Oscarpreisträgers zum Besten gegeben – wie Lion King, Inception, Gladiator, Pearl Harbour, The Dark Knight, Rush, Hannibal, Fluch der Karibik, Spirit,….

Lisa Gerrad, Martin Gellner, Hans Zimmer

Lisa Gerrard im goldenen Kleid, Martin Gellner am Dirigentenpult und Preisträger Hans Zimmer

Fazit: Es gibt nach wie vor kein schöneres Konzert für Filmmusik-Fans. Das liegt an der Qualität des RSO, an Stargästen – wie heuer Lisa Gerrard, Valentina Naforniță und auch Pedro Eustache, aber auch an der Akustik des Konzerthauses und am hohen Unterhaltungswert dieser Produktion. Heuer frischten etwa Video-Grußbotschaften von Tom Cruise bis Orlando Bloom die Moderation auf. Ein traumhafter Abend!

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Politische Töne bei Yellow Lounge

„My country is in trouble“, sagt die US-amerikanische Opernsängerin Nadine Sierra bei der Yellow Lounge im Wiener Porgy and Bess. Rassismus sei durch Präsident Donald Trump alltäglicher geworden.  Sierra, deren Eltern aus Portugal und Italien stammen, möchte daher mit ihrer Musik die Menschen wieder verbinden. „Es gibt einen Platz für jeden auf dieser Welt“ lautet ihre Botschaft. Die Sopranistin unterstreicht diese mit Leonard Bernsteins Somewhere und ihrem Album „There’s a place for us“. Die 30-Jährige ist über ihre Mutter zur Oper gekommen. In der Bücherei hat sie sich als Kind eine Aufnahme von Puccinis „La Bohème“ ausgeborgt und  sich sofort in die Oper verliebt. „Ich habe das Tape nie zurückgegeben. Ich habe es heute noch.“

Zweiter Stargast der Yellow Lounge war der schottische Komponist und Cellist Peter Gregson. Er komponiert für Hollywood (A Little Chaos) genauso wie für die „musikalisch boomende“ Computerspiele-Branche. Für sein neues Album hat er Bach „recomposed“. Warum? Weil er eine Suite von Bach wie eine Skulptur sieht. „Wenn man sie von einer anderen Seite in anderem Licht betrachtet, entdeckt man immer etwas Neues. Aber es ist immer noch dieselbe Skulptur.“ Bei der Yellow Lounge zeigte er mit eingespieltem Streichensemble und Visuals, wie man Klassik modern aufführen kann.

Christoph & Lollos Lieder fürs Hirn

„Mitten ins Hirn“ (statt ins Herz?) heißt das neue Album von Christoph & Lollo. Optisch getarnt als Schlagerplatte liefert es Text-Schmankerl, die nur darauf warten, in geballter Ladung in den Kopf der gewillten Zuhörerinnen und Zuhörer einzudringen. Eine Auswahl:

  1. „Wenn jemand mit dir diskutiert, dann musst du immer auf der Hut sein. Wer stringent argumentiert und Quellen nennt, der gehört schon zum Establishment.“ (Schau das doch bei Google nach)
  2.  „Ach was, ich lass den Fisch weg. Rohkost heißt meine Devise. Am besten für den Darm ist immer noch rohes Gemüse. Und zum Nachtisch könnte ich mir eine Puffreiswaffel kaufen. Als Ausgleich für die Sünde muss ich morgen aber laufen.“(Fenchelrohkost oder Bierdurchfall)
  3. „Ja, und wenn dich jemand fragt, warum du trotz Abschluss arbeitslos bist. Dann sag: „Wegen Bologna.“ Ja, und wenn dich jemand fragt, warum du nicht selbstständig denken kannst, dann sag: „Bologna, wegen Bologna.“ (Bologna)
  4. „Ich geh auf Facebook und empöre mich. In so einer Welt will ich nicht leben. Das ist krank, so was darf’s nicht geben. Also drück ich auf das wütende Emoji drauf.“ (Das wütende Emoji)
  5. „Wie viel hat die Kronen Zeitung bekommen? 20,364.555 Euro und 37 Cent. Ach, all das viele schöne Geld. All dieses wunderschöne öffentliche Geld. Wir sagen jedem einzelnen Euro wehmütig ‚Baba‘. Und fragen uns: ‚Wer? Ja, wer? Wer ist hier die Bettelmafia?'“ (Bettelmafia)Christoph und Lollo
    „Schlagerstars“ Christoph und Lollo haben für ihr Album „Mitten ins Hirn“ unter anderem das kongeniale Duo Radeschnig als Gastmusikerinnen engagiert.

Im Herbst sind Christoph & Lollo wieder auf Tour. Premiere ist am 12. Oktober im Wiener Stadtsaal. Hier gehts zum neuen Musikvideo. Die CD ist kulturblogger.at zur Verfügung gestellt worden.

Buchtipp: BlöZinger – die ersten zehn Bühnenjahre des Clown- und Kabarettduos.

Campus für hippe Medien-Menschen

Wer „irgendwas mit Medien“ studieren will, der hat in der Wiener Innenstadt eine extravagante Möglichkeit dazu. Das SAE Institut hat in der Hohenstaufengasse einen neuen „Flagshipcampus“ eröffnet. Künftig können sich dort Studierende zum Tontechniker, Kameramann oder auch Computerspiele-Programmierer ausbilden lassen – vorausgesetzt sie haben zwischen 9.000 (Bachelor) und 14.000 Euro (Diploma) flüssig.

SAE Studio

Neue Studierende erhofft sich SAE etwa durch eine Kooperation mit den „U-Bahn-Stars“.

Kreatives Netzwerken
Die Lernumgebung hat entsprechend Stil. Die Technik in den Studios und Klassenzimmern ist am allerneuesten Stand, Einrichtung und Dekoration lassen jedes hippe Start-Up vor Neid erblassen. Hier wurde kein Tapetenmuster und kein Hocker dem Zufall überlassen. Und schon bei der Eröffnungsparty mit Gutlauninger und Powernerd zeigte sich, dass auch Netzwerken eine große Rolle bei SAE spielt. Ein Partner ist etwa die Ottakringer Brauerei. Verdursten werden die Medienmenschen schon mal nicht.

Das Comeback der Kassette

Nach der Schallplatte nun auch die Kassette: Es gibt so etwas wie ein kleines Comeback des totgeglaubten Tonträgers. Seit die amerikanische Kette Urban Outfitters in ihren Filialen Kassetten im hippen Umfeld anbietet, werden sie von jungen Leuten wieder gekauft. In Deutschland wurde heuer mit Tortellini Records ein neues Label nur für Kassetten gegründet und sogar die Soundtracks der relativ neuen Filmserien Guardians Of The Galaxy und Stranger Things (Netflix) gibt es auf Kassette.

Kassetten wie die Star-Wars-Hörspiele werden hoch gehandelt

Kassetten wie die Star-Wars-Hörspiele werden hoch gehandelt

Sammler digitalisieren alte Tapes und stellen die Aufnahmen samt Cover auf YouTube. Und Preise für alte Kassetten schießen weltweit in die Höhe – weniger bei Kinderkassetten, sondern bei Musik und Hörspielen für Erwachsene. Kassetten zu Filmen wie Star Wars oder Indiana Jones kosten auf Onlineplattformen bis zu 50 Euro.  Tipp: Wer noch spannende Kassetten zuhause hat: ausgraben, anhören – oder verkaufen! Es gibt genug, die noch Freude daran haben.

Buchtipp:Pater Martin“ – Kurzgeschichten über Österreichs lustigsten Franziskaner. Drei Bücher von Florian Kobler. Erschienen im Freya Verlag.

Hai-Soundtrack aus Wien

Die Filmmusik zu Der weiße Hai von John Williams ist weltberühmt. Jetzt gibt es mit „The MEG“ einen neuen Hai-Blockbuster – mit Musik von einem anderen Williams, Komponist Harry Gregson-Williams. Der Soundtrack (Hörprobe) wurde in Wien vom Synchron Stage Orchester aufgenommen. Eine Top-Werbung für die Musikhauptstadt!

„Jeder, der Musik macht, träumt davon, nach Wien zu kommen. Willst du Country-Musik, gehst du nach Nashville, willst du ein Orchester, dann nach Wien“, streut auch  Jon Turteltaub den Rosenhügel-Studios in Wien Rosen. Der Hollywood-Regisseur kam extra aus Los Angeles angereist, um die Aufnahmen zu besuchen. Übrigens: Auch die Filmmusik von Mission: Impossible 5 – Rouge Nation wurde in Wien aufgenommen.

Harry Gregson-Williams (c) Heinz Zeggl

Hollywood-Komponist Harry Gregson-Williams in Wien. (c) Heinz Zeggl

Böser Hai im Kino
In „The MEG“ gehts um einen bösen, bösen Riesenhai, der ein U-Boot angreift und manövrierunfähig macht. Ein Team bestehend aus Forschern und Tauchern (mit Actionheld Jason Statham) bricht auf, um die Besatzung zu retten und den mehr als 20 Meter langen Hai zu töten. Der Streifen kommt Ende August ins Kino.

Jazzfest in der Müllverbrennungsanlage

Dort, wo täglich Berge an Restmüll verbrannt werden, hat am Samstag das Wiener Jazzfest begonnen. Tausende kamen, um in der Müllverbrennungsanlage Spittelau bei zwei Euro Eintritt Livemusik zu erleben. Bereits seit 21 Jahren gibt es Open-Air-Konzerte in der künstlerischen Anlage von Friedensreich Hundertwasser. Es war der Wunsch des Architekten gewesen, das Haus für alle zu öffnen.

Einer der Höhepunkte war heuer die Band 5/8erl in Ehr’n. Tiefenentspannt spielten die Musiker im Sitzen ihre Wienerlieder, die Jazz, Soul und andere Genres streifen. Alles war so gechillt, dass sogar die Charitynummer Schweigeminute für Traiskirchen von Raoul Haspel der Stimmung keinen Abbruch tat. Eine Minute Stille! Aber es funktionierte.
Mit ihren Hits Badeschluss (Das Lied ertönt in den Wiener Freibädern, kurz bevor sie schließen), Alaba, How do you do? (eine Anspielung auf die Aussage eines Politikers) oder Schneid die Melone an (Böser Ohrwurm aus der Bawag-Werbung) sorgten die 5/8erl für einen musikalisch-gemütlichen Sommernachmittag in Wien. Wirklich schön!

Buchtipp: „BlöZinger – Und davon kann man leben?“ von Florian Kobler – ein humorvolles Taschenbuch über das schrägste Clown- und Kabarettduo Österreichs.