Musik und Mode aus Tierhaut

In Wien gibt es Salonkonzerte im exklusiven Rahmen. Eines, der sogenannte Klang-Salon, fand diese Woche im Fernolendt-Haus statt – ein historisches Gebäude in der Landstraßer Hauptstraße, in dem einst die Dichterin Marie von Ebner Eschenbach gearbeitet hat.

Perkussionistin haut auf Haut
Unter dem Motto „Leder“ war ein Konzert der Perkussionistin Ingrid Oberkanins zu hören. Die Oberösterreicherin spielte auf zahlreichen Trommeln, Rasseln und anderen Instrumenten aus u.a. Kuh-Leder – und nahm sich selbst dabei mit einer Loop-Station auf. Höhepunkt war ein Stück, das sie für eine Dokumentation komponiert hatte, in der es um Flüchtlinge geht, die in Österreich Skifahren lernen. Zwischen den Stücken suchte Oberkanins mit viel Humor ihre Instrumente. „Die Hälfte eines Perkussionistin-Lebens besteht aus Herumwerken und Tragen“, erklärte sie.

Ingrid Oberkanins bei fünften Wiener Klang-Salon

Perkussionistin Ingrid Oberkanins beim 5. Wiener Klang-Salon

Fischleder als zweite Haut
Passend zum Thema war auch Sabina Brägger zu Gast. Die Schweizer Designerin findet es oft alles andere als schön zu wissen, woher die Materialien für Kleidung und Co. kommen.  Sie fertigt ihre Mode daher selbst – und zwar aus Abfallstoffen. Genauer gesagt aus Störleder und Bisonwolle – nachhaltige Produkte, hinter denen sie stehen könne.

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Luke Skywalker und die Missen

„Mach sichtbar, was vielleicht ohne dich nie wahrgenommen wäre“, soll Filmregisseur Robert Bresson gesagt haben. Diesen Spruch hat sich Manfred Baumann zu Herzen genommen. Baumann, der sich in Wien vor allem als Society- und Missen-Fotograf einen Namen gemacht hat, brachte kürzlich einen Bildband im Novum Verlag heraus, eine Art Werkschau von 1991 bis 2006. Darin erzählt er, dass sein Nachhilfelehrer während seiner Schulzeit Fotograf war. Dessen Wohnung glich einer Dunkelkammer, in der viele Schwarz-Weiß-Fotografien von schönen Frauen herumlagen. Von da an wusste Baumann, dass er Fotograf werden wollte. Mit seinem ersten selbstverdienten Geld als Kaufmannslehrling bei Julius Meinl kaufte er sich eine neue Kamera. „Mit zunehmendem Alter stieg das Interesse an Frauen und Erotik. In den ersten Jahren der Modelfotografie beeinflusste mitunter auch mein Testosteronspiegel die Bildsprache.“

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Ein Fotograf mit Geheimnis

Inzwischen sind viele Jahre vergangen. Baumann reiste um die halbe Welt, fotografierte Landschaften, Obdachlose, Gefängnisinsassen – und porträtierte Stars wie Bruce Willis, Jack Black, John Malkovich und Mark Hamill alias Luke Skywalker. Sein rund 280 Seiten starker Bildband „my world of photography“ zeigt eine Auswahl davon aus 25 Jahren. Was Baumann nicht verrät, ist, wie er es schafft, an die vielen Stars heranzukommen. Doch was wäre ein Starfotograf ohne Geheimnisse?

Der besprochene Bildband wurde vom Verlag zur Verfügung gestellt.

Wurst aus Wachs in Wien

Die Wurst aus Wachs gibt es jetzt bei Madame Tussauds. Bei der Enthüllung stiegen sich die zahlreichen Kamerateams, Fotografen und Song-Contest-Fans gegenseitig auf die Zehen – so groß war der Andrang. Ab sofort wird die 200.000 Euro teure Conchita-Wurst-Wachsfigur etwa neben Abba und Udo Jürgens in Wien zu sehen sein.

Conchita Wachs und Conchita Wurst

Conchita Wachs und Conchita Wurst

Conchita Wachs und Conchita Wurst

Conchita Wachs und Conchita Wurst

Buchtipp: „BlöZinger – Und davon kann man leben?“ von Florian Kobler – ein humorvolles Taschenbuch über das schrägste Clown- und Kabarettduo Österreichs.

Silvester in der Wiener Hofburg

„Alles Walzer“ und „Prosit Neujahr“ hieß es beim Silvesterball in der Wiener Hofburg. Hier traf sich alles, was ohne mit der Wimper zu zucken über 450 Euro für ein Abendessen und eine Eintrittskarte locker macht. Dazu kommt natürlich noch Kleingeld für Friseur, Kleidung, Taxi, Getränke, Garderobe und Erinnerungsfotos. Dafür erlebt man aber auch etwas: Schöne Menschen mit schönen Abendkleidern, Touristen, die jeden Kristallluster einzeln abfotografieren, Live-Orchester, Opernsänger, DJs, Bands, Balletttänzer, Uniformierte, Promis und Elmayers lächelnde Eintanzpärchen. Und man hat natürlich freie Sicht auf das Feuerwerk über dem Rathaus um Mitternacht. Fazit: Kurzweiliges Wiener Lebenstheater mit hohem Schauwert! Elitär, aber unterhaltsam!

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Buchtipp: „BlöZinger – Und davon kann man leben?“ von Florian Kobler – ein humorvolles Taschenbuch über das schrägste Clown- und Kabarettduo Österreichs.

Bildershow vom Life Ball 2013

„Eigentlich dürfen wir das niemanden erzählen, dass wir am Life Ball sind und Promis, Nackerte und Depperte fotografieren. Das ist ja nicht normal“, sagte eine ältere Dame am Rathausplatz zu ihrem Mann, während sie ein Foto nach dem anderen schoss. Eigentlich hat sie Recht. Aber die Knipserei der tausenden Neugierigen ist ansteckend – und die spektakuläre Life Ball-Eröffnung hat Spaß gemacht.

Amanda Lepore wurde oft verwechselt mit "Janine Schiller"

Amanda Lepore wurde oft verwechselt mit „Janine Schiller“.

Die Designer-Zwillinge Dean und Dan Caten im Interview mit Alfons Haider

Designer Dan Caten Dsquared im Interview mit Alfons Haider.

Selbstinszenierungsprofi Concita Wurst zeigte oben viel und unten nichts

Selbstinszenierungsprofi Conchita Wurst zeigte oben viel und unten nichts.

Gery Keszler feierte seinen 31. Life Ball. Wahnsinn.

Life Ball-Chef Gery Keszler feierte seinen 21. Life Ball. Wahnsinn.

Desmond Richardson gibt den König Schahriyar

Tänzer Desmond Richardson gibt den König Schahriyar.

Die Debütanten ziehen den König auf den Red Carpet.

Große Show: Die Debütanten ziehen den König auf den Red Carpet.

Rechts im Bild: Der ehemalige US-Turmspringer Greg Louganis.

Rechts im Bild: Der ehemalige US-Turmspringer Greg Louganis.

Buchtipp: Pater Martin: Helfen. Lachen. Freude machen – Lustige und spannende Kurzgeschichten über die Abenteuer eines Franziskaners.

Mörderische Klänge bei „Hollywood in Vienna“

Filmmusik, Konzerthaus, Stars: Die „Hollywood in Vienna“- Gala ist Jahr für Jahr DAS Konzerthighlight in Wien. Trotz des zunehmenden Promiauflaufes und der Verleihung des Max-Steiner-Film-Music-Achivement Awards bleibt die Musik bei dieser glamourösen Veranstaltung stets im Vordergrund. Heuer wurde unter dem Motto „Thrilling Moments“ Musik aus den Filmen „Sunset Boulevard“, „James Bond Casino Royale“ oder „Basic Instinct“ dargeboten. Ein Höhepunkt war, als das RSO die Geigen im Takt quietschen ließ und die mörderische Duschszene aus Alfred Hitchcocks Psycho musikalisch darbot.

Verleihung des Max Steiner Film Music Achivement Award an Lalo Schifrin.

Verleihung des Max Steiner Film Music Achivement Award an Lalo Schifrin.

Ebenfalls beeindruckt zeigte sich das Publikum von Operndiva Natalia Ushakova , die absolut textsicher (uhhh…) und stimmgewaltig den Soundtrack von „Once upon a Time in the West“ von Ennio Morricone zum Besten gab. Der offizielle Stargast des Abends war Lalo Schifrin. Der 80-jährige „Mission in Possible“-Komponist zeigte am Klavier, dass er noch rüstiger ist, als er aussieht. Ein bisschen wurde der Preisträger allerdings von Jazz-Sänger Al Jarreau in den Schatten gestellt, der zwei Songs charakterstark darbot – und der absolute Publikumsliebling war.

Organisatorin Sandra Tomek mit Operndiva Natalia Ushakova.

Blickfang: Organisatorin Sandra Tomek mit Operndiva Natalia Ushakova.

Das beste Filmmusikerlebnis hatte man, als das RSO unter Dirigent David Newman sowie mit Gitarrist Conrad Schrenk den Soundtrack von „Inception“ (Hans Zimmer) darbot. Weitere Persönlichkeiten des Abends: Schauspieler Gedeon Burkhard, der mit seiner tief-monotonen Stimme den Abend moderierte,  Frantisek Janoska, der mehrfach am Klavier begeisterte, US-Botschafter William C. Eacho, der eine kurzweilige Rede hielt und Sandra Tomek, die diesen Filmmusikabend seit 2007 organisiert. Hier noch ein paar Fotos vom Red Carpet:

Buchtipp: “Pater Martin” –  Lustige und spannende Kurzgeschichten
über die Abenteuer eines Franziskaners. Infos und Blick ins Buch. 

Nicholas Ofczarek als grandioser Jedermann

Salzburg ist nicht nur für die Festspiele bekannt, sondern auch für den Schnürlregen. Am Freitag wurde daher die Jedermann-Vorstellung vom Domplatz in das große Festspielhaus verlegt. Noch vor Beginn der Vorstellung wurde rund um das Festspielhaus sowie von der Festung aus die Saison mit Kanonenfeuer eröffnet. Ebenso imposant ging es beim Jedermann weiter.

Großer Applaus für das Salzburger Jedermann-Ensemble

Großer Applaus für das Jedermann-Ensemble.

Bis es soweit war, dauerte es aber rund eine Dreiviertelstunde. Nicholas Ofczarek, Ben Becker und Birgit Minichmayr waren von da an von ihrer besten Seite zu sehen – der Star des zweistündigen Abends war jedoch eindeutig Nicholas Ofcarek als Jedermann. Die Buhlschaft hatte eigentlich eine absolute Nebenrolle und musste (fast) nur schön sein. Das war für Birgit Minichmayr ein Klax. Auch der Tod (Ben Becker) ist mit seiner Rolle nicht überfordert. Er musste nur stark geschminkt böse dreinschauen und im Zeitlupentempo über die Bühne wandern. Mehr Einsatz brauchten der Teufel (Peter Jordan) und die Frau, die die guten Werke des Jedermann verkörpert (Lina Beckmann). Super waren auch die musikalischen Orchester-, Blasmusik- und Choreinlagen, die sparsamen Pyroeffekte, das Glockengeläute und die „Jedermann“-Rufe.
Ofczarek, Minichmayr, Becker, Weis, Jordan

Staraufgebot beim Jedermann: Ofczarek, Minichmayr, Becker, Weis & Jordan.

Fazit: Wer die Möglichkeit hat, sich den Jedermann anzusehen, sollte dies tun. Die Erwartungen dürfen aber nicht zu hoch sein – vor allem, wenn die Vorstellung vom schönen Domplatz im Freien in das dunkle Festspielhaus verlegt wird. Denn dies wirkt sich negativ auf das Flair und die Akustik aus. Auch das Stück von Hugo von Hoffmansthal selbst ist keine leichte Kost – doch die Salzburger Inszenierung von Christian Stückl und der stets aktuelle Hintergrund des Werks machen (dank großartiger Schauspieler) daraus ein Highlight.

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