Don Carlo leidet, das Publikum genießt

Der Hype rund um die Verdi-Oper Don Carlo bei den Salzburger Festspielen ist enorm. Schon bei der Generalprobe standen Stunden vor Vorstellungsbeginn zahlreiche Fans vor dem Festspielhaus, die verzweifelt Pappkartons mit der Aufschrift „Suche Karte“ in die Höhe hielten. Die 5-Stunden-Produktion (inkl. zwei Pausen) ist musikalisch auf allerhöchstem Niveau. Im Orchestergraben und auf der Bühne wird Perfektion geboten. Jonas Kaufmann als Don Carlo und Anja Harteros als Elisabetta singen sowieso perfekt, die anderen Hauptrollen sind ebenfalls grandios besetzt und die Wiener Philharmoniker sind auch in bester Form.

Don Carlo

Diskutieren könnte man über die farblosen Kostüme (Annamaria Heinreich) und über das einfallslose Bühnenbild (Ferdinand Wögerbauer). Okay, es gibt auch mal einen mit Wasser gefüllten Pool auf der Bühne und es werden Leute auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Aber es wird visuell nichts geboten, das einen so richtig vom Hocker haut. Das erledigt ausschließlich die Musik.

Fazit: Diese Produktion sollte man sich vor allem anhören – am besten live (Premiere ist am 13. August), noch besser im Fernsehen (16. August in ORF 2), denn da bleibt man die fünf Stunden über beweglich und sitzt erste Reihe fußfrei.

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