Mit schwarzem Humor zum Sieg

Christoph Fritz hat mit seinem „sehr schwarzen Humor“ den Kabarettwettbewerb „Ennser Kleinkunstkartoffel“ gewonnen. Der niederösterreichische Nachwuchskabarettist ist erst 22 Jahre alt, was sich aber „laufend ändere, fast jährlich“. Er hat Europäische Wirtschaft und Unternehmensführung studiert, „was ein Euphemismus ist für: Ich habe keine echten Leidenschaften in meinem Leben und will einfach viel Geld verdienen.“ Viel zu berichten weiß er auch über seinen Heimatort „Kaffhausen am Wagram“. Die Leute dort sollen außerordentlich tolerant sein. „Solange du einigermaßen männlich, weiß, österreichisch, heterosexuell, nicht kleinwüchsig, nicht zu dick und nicht zu dünn, aber auch nicht dumm, nicht zu intelligent und auch kein Moslem, Atheist, Buddhist, Hinduist, Grüner oder Veganer bist… Und generell lässt es sich empfehlen, das Alkohol- und Cholesterinlevel konstant im lebensgefährlichen Bereich zu halten.“

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Christoph Fritz spielt den schüchternen, aber bitterbösesn Bubi

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Neulingsnagel für Franziska Singer

„Der Friseur wäscht mir die Haare, die Zeitschrift mein Gehirn“- mit Gedanken wie diesen und einer sympathisch-professionellen Bühnenshow hat Jungkabarettistin Franziska Singer den Goldenen Neulingsnagel 2016 gewonnen. Die 30-jährige Schauspielerin, die „nicht an Befindlichkeiten glaubt“ und in ihrem Alter für Männer eine „Babytretmine“ darstellt, konnte sich gegen starke Konkurrenz – bestehend aus Christoph Fritz, Isabel Meili und Markus Bittner – beim Kabarettwettbewerb im Theater am Alsergrund durchsetzen. Die Begründung der Jury: „Franziska Singer erzeugt die richtigen Bilder im Kopf.“ Ihre Darbietung war „zu Ende gedacht“. Zu sehen ist die Preisträgerin regelmäßig im Schubert Theater – und bestimmt auch bald im Kabarett.

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Franziska Singer und Jury-Mitglied Pepi Hopf

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Für gut befundene Künstler

„Es ist auch bei uns nicht alles optimal gelaufen“ – soll Kaiserenkel Karl Habsburg zum Ausgang des ersten Weltkriegs gesagt haben. Mit diesem Zitat startet „Der allerletzte Tag der Menschheit“ von Hosea Ratschiller und dem Duo RaDeschnig.  Das Stück wird heuer mit dem Österreichischen Kabarettpreis  – Sparte Programmpreis – ausgezeichnet. Der Hauptpreis geht an Thomas Maurer für sein Werk „Der Tolerator“. Der 49-Jährige feiert bei einem Gläschen Wein. „Als junger Mensch habe ich eher Bier getrunken, weil der Wein in Wien nicht zum Saufen war, zumindest nicht in Lokalen, die man sich leisten konnte.“

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Haderer, Eckhart, Maurer, RaDeschnig, Ratschiller

Inzwischen ist der Wein für Maurer interessant geworden – vor allem wegen des Geschmacksträgers Alkohol. Um ausgiebig verkosten zu können, drehte er kürzlich eine siebenteilige TV-Serie mit dem Titel „Warum Wein„. Warum? Warum nicht! „Gegen das Gschiss, das in Asien um Tee gemacht wird, ist das Gschiss,  das wir Westler um Wein machen, lächerlich.“ Neben Poetry-Slammerin Lisa Eckhart (Förderpreis) wird auch Karikaturist Gerhard Haderer (Sonderpreis) ausgezeichnet. Der 65-Jährige kommentiert mit seinen Zeichnungen kritisch und unterhaltsam aktuelle Entwicklungen – besonders auch im monatlichen Schundheff Moff. Unbedingt abonnieren!

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Buchtipp: „Pater Martin 2“ von Florian Kobler – rund 80 neue Anekdoten und Abenteuer des beliebten Franziskanermönchs. Mit humorvollen Comics von Georg Atteneder.

Ein Streit als Dankeschön

Wenn sich zwei Kabarettisten streiten, dann freut sich das Publikum. Zumindest war das bei der Verleihung des Österreichischen Kabarettpreises in der Wiener Urania so. Dort lieferten sich Matthias Egersdörfer und Martin Puntigam in ihren jeweiligen Dankesreden einen grenzgenialen, verbalen Kampf darüber, wer den – gemeinsam erhaltenen  – Förderpreis mehr verdient habe. Schade, dass ihr Programm „Erlösung“ erst wieder im März 2016 im Kabarett Niedermair zu sehen ist. Großartig waren auch maschek, die für die Sonderpreisträger von der Tagespresse eine Filmlaudatio hielten. Mehr als würdig präsentierte sich Florian Scheuba, der zurecht den Hauptpreis gewonnen hatte.

Deutschland vs. Österreich bei Egersdörfer gegen Puntigam

Deutschland vs. Österreich bei Egersdörfer gegen Puntigam

maschek ließ die Bundesregierung die Laudatio verkünden

maschek ließ die Bundesregierung die Laudatio verkünden

Buchtipp: „Pater Martin 2“ von Florian Kobler – rund 80 neue Anekdoten und Abenteuer des beliebten Franziskanermönchs. Mit humorvollen Comics von Georg Atteneder.

Kabarettpreis im Kasperltheater

Erst Bussis, Sekt und Selfies – danach wurde der Österreichische Kabarettpreis 2014 in der Wiener Urania gestern Abend offiziell verliehen. Kunstfigur Petutschnig Hons erhielt den Publikumspreis für ein YouTube-Video, in dem er eine Red-Bull-Dose mit einem Hammer zerschmettert, Kabarettist und Boxkampfrichter Werner Schneyder bekam den undotierten Sonderpreis überreicht, weil er als politischer Kommentator weiterhin unkäuflich bleiben soll.

Vitasek scherzte gerade über jene Bank, die den Kabarettpreis sponserte.

Vitasek scherzte gerade über jene Bank, die den Österreichischen Kabarettpreis sponsert.

Otto Jaus bekam den Förderpreis verliehen und bedankte sich augenzwinkernd ganz herzlich bei seiner Agentin, die gleichzeitig Organisatorin des Österreichischen Kabarettpreises ist – und sich nun allerhand Gerüchte anhören darf. Völlig unbegründet übrigens, denn stimmberechtigt war ausschließlich die Fachjury, bestehend aus Kulturjournalisten aus ganz Österreich. Andreas Vitasek erhielt den Hauptpreis für sein zwölftes Soloprogramm „Sekundenschlaf“. Die Show wurde ihm beinahe von einem Mann gestohlen, der sich während seines Auftritts mit einer Handkamera auf die Bühne stellte und das Publikum filmte. „Hier spielt die Musi“, sagte Preisträger Vitasek und schob ihn von der Bühne.

Niavarani zu seinem Schützling Otto Jaus: "Hör dir das an, was ich geschrieben habe"

Niavarani zu seinem Schützling Otto Jaus: „Hör dir das an, was ich geschrieben habe“

Zu den großen Highlights des Abends gehörten die Showauftritte der Erdöl-, äh, Kernölamazonen sowie die Laudatio von Michael Niavarani, der augenzwinkernd meinte, man solle so jungen und gefährlich-talentierten Kabarettisten wie Otto Jaus keinen Preis in den Arsch schieben. Denn zu seiner Zeit hätte es so eine Karrierehilfe und Finanzspritze auch nicht gegeben.

30 Jahre nach dem Deutschen Kabarettpreis bekam Schneyder nun den ÖKP

30 Jahre nach dem Deutschen Kabarettpreis bekam Werner Schneyder nun den ÖKP

Buchtipp: „BlöZinger – Und davon kann man leben?“ von Florian Kobler – ein humorvolles Taschenbuch über das schrägste Clown- und Kabarettduo Österreichs.