„Nackte“ Bands und Bier am Popfest

Das Popfest ist einer der vielen Gründe, warum Wien so eine großartige Stadt ist. Das alljährliche Musikfestival vor der Karlskirche ist gratis, gemütlich – und lädt ein, neue Popmusik aus Österreich kennenzulernen. Insgesamt treten rund 60 Acts – von Mavi Phoenix über Naked Lunch bis Kreisky – an vier Tagen auf. Eine Entdeckung ist dieses Jahr die Synthiepop-Band Naked Cameo, die soeben ihr Debütalbum „Of Two Minds“ veröffentlichte. Sehr hörenswert sind die Songs Pocket Dial und Luddite.

Eine lustige Geschichte, die entfernt etwas mit Luddite zu tun hat: Der Regisseur des Musikvideos hatte im Vorjahr großes Pech. Er kaufte einem Wiener Totengräber einen 1983er Toyota Camry ab.  Doch kaum hatte er das Liebhaberstück vor seiner Wohnung abgestellt, wurde es gestohlen. Die Diebe benützten den Camry als Rammbock und fuhren damit in die Auslage eines Wiener Juweliers. Noch in derselben Nacht stürmte die Sondereinheit WEGA die Wohnung des noch ahnungslosen Regisseurs.

Zurück zum Popfest: Die Halbe Bier kostet inklusive Einsatz fünf Euro. Um weniger als die Hälfte bieten Jugendliche mit Rucksäcken ihre gekühlten Dosen rund um die Karlskirche an. Weil diese Art des Straßenverkaufs illegal ist, werden sie von den Securitys vom Gelände geleitet. Ein Katz- und Mausspiel, bei dem niemand böse ist.

Naked Cameo am Popfest 2018

Eine Entdeckung am Popfest 2018: Naked Cameo und ihr Debütalbum „Of Two Minds“

Hier spielt gerade Kreisky am Popfest, die Band von Austrofred.

Hier spielt gerade Kreisky vor der Karlskirche – die Band von Austrofred.

Buchtipp:Pater Martin“ – Kurzgeschichten über Österreichs lustigsten Franziskaner. Drei Bücher von Florian Kobler. Erschienen im Freya Verlag.

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Hypo-Modellstadt im Teich

Was hätte man alles mit dem Geld machen können, das für die Rettung der Hypo-Bank ausgegeben wurde? Zum Beispiel eine riesige Stadt bauen, dachten sich Studierende der Technischen Universität Wien. Um ihre durchaus realistische Idee zu veranschaulichen, bauten sie jetzt ein Modell dieser Stadt auf. Damit das Ganze auch die gebührende Aufmerksamkeit erhält wählten sie als Ort dafür den (ausgelassenen) Teich vor der Karlskirche aus. Die Modellstadt „Hypotopia“ dient jetzt (zumindest) als Fotomodell für Touristen. Fazit: Coole Aktion! Und von wegen, auf der Uni ist immer als theoretisch…

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Buchtipp: „BlöZinger – Und davon kann man leben?“ von Florian Kobler – ein humorvolles Taschenbuch über das schrägste Clown- und Kabarettduo Österreichs.

Kuppel als Kino

Heute eröffnet „Content Art 2013“ am Karlsplatz. Vor der Karlskirche wurden dazu 30 Ausstellungscontainer und eine riesige Kuppel aufgestellt. Man kann in die „iSphere“-Kuppel hineingehen und sich abends 360-Grad-Kunstfilme bei freien Eintritt ansehen. Das Innere bietet Platz für 300 Personen und auch ein Restaurant soll es geben. Auch von außen sind die Filme sichtbar – hingehen lohnt sich also…

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Buchtipp: Pater Martin: Helfen. Lachen. Freude machen – Lustige und spannende Kurzgeschichten über die Abenteuer eines Franziskaners.

Franzobel erzählt vom Stöhnen

„Das letzte Mal war ich im Café Museum, als ich gerade durchgefallen war [beim Aufnahmetest der Kunstakademie]. Damit ich das verarbeiten konnte, wurde ich aber kein Diktator, sondern begann Bücher zu schreiben.“ So (oder so ähnlich) eröffnete Franzobel seine heutige Lesung im bekannten Nobelkaffeehaus am Karlsplatz. Er stellte seinen neuen Roman „Was die Männer so treiben, wenn die Frauen im Badezimmer sind“ vor. Die Geschichte handelt von einem Herrn Hildebrand Kilgus, dessen Passion das Stöhnen ist. Diese Leidenschaft spiegelt sich auch in dessen Berufwahl wieder. Mal ist er Puffvater, mal Sterbebegleiter, mal Hebamme.

Franzobel ist ein Provokateur. Bei Lesungen genießt er es, Stellen vorzulesen, die von Fruchtwasser oder Babykot handeln. („Die meisten von Ihnen haben eh schon fertig gegessen, oder?“) Außerdem ist er ein guter Unterhalter. Das liegt weniger an der monotonen Präsentation, als am humorvollen und grotesken Inhalt seiner Texte. Wortwitz und genaue Beobachtungen sind seine Stärken. So erfahren die Leser seines neuen Romans, dass es in Wien eine Abtreibungsklinik am Fleischmarkt, eine Pathologie in der Sensengasse, einen Zahnarzt in der Blutgasse und ein Stundenhotel beim Tiefen Graben gibt 🙂

Buchtipp: “Pater Martin” –  Lustige und spannende Kurzgeschichten
über die Abenteuer eines Franziskaners. Infos und Blick ins Buch.