Elli Bauer: „Frauen im Kabarett werden schnell in eine Rolle gedrängt“

Elli Bauer ist 31 Jahre alt, hat Sozialarbeit studiert und arbeitet unter anderem als Hip-Hop-Trainerin in Graz. Vor wenigen Tagen gewann sie die beiden Kabarettwettbewerbe Ennser Kleinkunstkartoffel und Freistädter Frischling. Wie die Halbschottin zum Kabarett gekommen ist und was ihr an dieser „Männerdomäne“ missfällt, verrät sie im Interview mit kulturblogger.at.

Elli Bauer

Elli Bauers Ziel auf der Bühne ist es immer, eine gute Show abzuliefern: „Was auf keinen Fall fehlen darf: Selbstironie und eine Beziehung zum Publikum.“

Du bist nach elf Jahren die allererste Gewinnerin der Ennser Kleinkunstkartoffel. Kabarett gilt überhaupt als Männerdomäne. Warum ist das so?
Zunächst gilt der Grund, der für alle Männerdomänen gilt: Man reicht sich den Kelch untereinander weiter. Ein Muster, das einfach noch nicht durchbrochen wurde. Andererseits beobachte ich, dass Frauen im Kabarett sehr schnell in eine bestimmte Rolle gedrängt werden und diese auch teilweise selbst annehmen. Leider bedient diese oft genau die Klischees, von denen wir uns versuchen zu verabschieden: hilflos, dümmlich, hysterisch, männer- bzw. schokonarrisch, einkaufssüchtig. Selbst wenn es als emanzipiert verkauft wird, ist es meist dennoch schrill im Ton. Die Frauenrollen können dann wie Karikaturen wirken und geben selten Einblicke in wie das Leben für viele Frauen tatsächlich ist.

„Frauen dürfen sich in vielen Lebensbereichen weniger Fehler oder Menschlichkeiten erlauben, um Wertschätzung für ihr Können zu bekommen.“

Elli Bauer, Kabarettistin

Ich denke, dass es Frauen generell schwerer fällt mit etwas Unfertigem aufzutreten, da sie definitiv schneller und stärker negativ beurteilt werden. Frauen dürfen sich in vielen Lebensbereichen weniger Fehler oder Menschlichkeiten erlauben, um Wertschätzung für ihr Können zu bekommen. Männer hingegen arbeiten oft eher nach dem Schau-ma-mal-Prinzip und stellen sich einfach auf die Bühne.

Eines ist ganz klar: Kabarett ist nicht nur Gabe sondern, wie alle Bühnenkünste, eindeutig auch Übungssache. Üben heißt in diesem Fall sich einfach auf die Bühne stellen und zu reden beginnen. Meiner Erfahrung nach machen das Männer unbedarfter als Frauen, werden somit schneller besser und treten öfter auf. Generell missfällt mir diese Situation natürlich, da sie nicht ausgewogen und geschlechterbezogen ist. Ich selbst kann aus meinen persönlichen Erfahrungen aber nichts Negatives berichten. Ich bin mir meiner Sache aber auch sehr sicher.

Du singst etwa über Frauenarzt-Besuche. Wie wählst du deine Themen aus?
Die Themen meiner Lieder und meines Programms an sich sind immer Erfahrungen oder Beobachtungen, die ich selbst gemacht habe. Dementsprechend authentisch kann ich dann auch darüber berichten. Ich lege auch gern ein Augenmerk auf Dinge, die sehr viele Menschen betreffen, über die aber eher selten gesprochen wird.  In meinem Programm ist auch Politisches dabei.

Wie bist du zum Kabarett gekommen?
Als Halbschottin bin ich mit sehr viel britischer Comedy aufgewachsen und habe es immer schon geliebt. Vor allem die sogenannte observational comedy. Ich habe immer schon gerne Leute zum Lachen gebracht und auch immer schon gerne Musik gemacht. Irgendwann habe ich dann beides kombiniert und habe mich damit auf die Bühne getraut – und das gleich beim Kleinkunstvogel 2013. Als Test quasi, ob irgendwen interessiert, was ich darbiete. Als ich dann im Finale nur knapp den Publikumsvogel nicht gewann, war mir klar, dass das was werden könnte.

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„Flo und Wisch“ gewinnen Ennser Kleinkunstkartoffel

Wenige Stunden vor der Oscar-Verleihung ist am Sonntag in der Stadthalle Enns die Kleinkunstkartoffel 2015 vergeben worden. Heuer konnte das Kabarettduo „Flo und Wisch“ mit seiner zehnminütigen Showeinlage das Publikum überzeugen und „den renommiertesten Kabarettpreis der Stadt“ für sich gewinnen. „Flo und Wisch“ begeisterten zum einen mit originellen Wortspielen (mit Enns-Bezug), aber auch mit bitterböser Innenpolitik-Satire in musikalischer Form. „Wir freuen uns sehr über den Preis“, sagten die beiden Kabarettisten David Krammer und Florian Roehlich bei der Veranstaltung sichtlich erleichtert. „Denn bis jetzt sind wir bei Wettbewerben immer Zweiter geworden. Einmal mussten wir uns sogar einem Hund geschlagen geben.“

Doch auch die anderen fünf teilnehmenden Kabarettisten boten dem Publikum mit ihren Kurzauftritten ein abwechslungsreiches und unterhaltsames Programm. Während Matthias Kleinart seine Sepp-Forcher-Parodie zum Besten gab, Gino Cultura als österreich-italienischer Sprachjongleur mit beschrifteten Schildern Sympathie erntete, Gerhard Gradinger das Publikum mit Halbwahrheiten aus seinem Beziehungsleben zum Lächeln brachte und Leopold Toriser mit außergewöhnlichen Zeichnungen auf dem Flipchart das Publikum überraschte, sangen sich Mini & Claus mit schrägen Texten zu durchaus bekannten Melodien in die Herzen der rund 250 Zuschauerinnen und Zuschauer.

Kammerhofer sorgt für Lachkrampf

Außer Konkurrenz – und das völlig zu Recht – standen an diesem Abend auch Clemens Maria Schreiner als Moderator und Theaterkabarettist Walter Kammerhofer als Showact auf der Bühne. Während Schreiner gekonnt, spontan und höchst sympathisch durch den Abend führte, bot Kammerhofer dem Publikum locker-lässig einen halbstündigen Dauerlachkrampf. Und zwar indem er erzählte, wie er – als frischer Single – nach Jahrzehnten versucht, alleine in einem Supermarkt einzukaufen – und dabei mit Einkaufswagerl und Hausverstand kämpft.

Flo und Wisch

Walter Kammerhofer, KKK-Sieger 2015 Flo und Wisch, Clemens Maria Schreiner

Neue Livetermine von Schreiner und „Flo und Wisch“

„Flo und Wisch“ sind als Gewinner der Ennser Kleinkunstkartoffel 2015 im Oktober im Kulturzentrum d’Zuckerfabrik mit ihrem neuesten Programm zu sehen. Clemens Maria Schreiner ist bereits im April bei der Langen Nacht des Kabaretts wieder in Enns zu Gast. Gemeinsam mit Paul Pizzera, Otto Jaus und Petutschnig Hons werden sie die Stadthalle rocken. Karten gibt es bei Ö-Ticket.

Die bisherigen Kleinkunstkartoffel-Gewinner sind: BlöZinger (2008), Klaus Bandl (2009), Michael Eibensteiner (2010), Andy Sauerwein (2011), Fii (2012), Gerafi (2013), Rudi Schöller (2014). Veranstaltet wird der Kabarettpreis vom Kulturverein Pa-Events jedes Jahr im Februar.

Buchtipp: „BlöZinger – Und davon kann man leben?“ von Florian Kobler – ein humorvolles Taschenbuch über das schrägste Clown- und Kabarettduo Österreichs.

Rudi Schöller gewinnt 7. Ennser Kleinkunstkartoffel

Der Wiener Kabarettist Rudi Schöller gewann am Sonntagabend im BG/BRG Enns den beliebten Publikumspreis „Ennser Kleinkunstkartoffel 2014“. Schöller berichtete von politischen und persönlichen Krisen, von diskussionswürdigen Kosenamen in Beziehungen, vom Essen bei der Mama, von neuen Trends wie „Nordic Stalking“ und sang auch das eine oder andere Motivationslied mit seiner Gitarre.

Moderator Clemens Maria Schreiner, KKK-Sieger 2014 Rudi Schöller und Showact Michael Eibensteiner

Moderator Clemens Maria Schreiner, Kleinkunstkartoffel-Gewinner 2014 Rudi Schöller und Showact Michael Eibensteiner

Er setzte sich damit gegen die hochkarätigen Kollegen Elwood Loud, Ute & Tatiana, Franz Mario Prosch,  Michael Operschall und Bernhard Wagner durch. „Als Sieger der Ennser Kleinkunstkartoffel 2014 wird er mit seinem Programm „Was kostet die Welt“ im Herbst im Kulturzentrum d’Zuckerfabrik Enns auftreten.

Duo Gerafi gewinnt Ennser Kleinkunstkartoffel 2013

Das Wiener Kabarettduo Gerafi gewann am Sonntagabend im BG/BRG Enns den beliebten Publikumspreis „Ennser Kleinkunstkartoffel“. Die beiden Jung-Musikkabarettisten Gerald Dell’mour und Rafael Wagner (GeRafi) parodierten in ihrem Kurzprogramm eine Boyband und brachten das Publikum mit einem Jesus-Rap zum Lachen. Sie setzten sich damit gegen die hochkarätigen Kollegen Peter Gahleitner, RaDeschnig, 2gewinnt, Max Schmidl sowie Marc Haller durch. „Wir freuen uns sehr über diese Auszeichnung. Der Bewerb hat uns großen Spaß gemacht“, so Gerafi. Showact Didi Sommer rundete den Abend mit humorvollen Gedichten, Erzählungen aus dem Mühlviertel und seinem vertextlichten Sudoku ab.

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„Das Niveau war heuer ausgesprochen hoch“, so Robert Böchl vom Kabarettduo Blözinger, die auch heuer wieder als Moderatoren im Einsatz waren und mit einem eigenen Showact begeisterten.  Auch das Publikum war von den insgesamt zwölf Kabarettisten angetan. Das zeigte sich schon einige Tage zuvor, als die Veranstaltung restlos ausverkauft war. Der veranstaltende Kulturverein Pa-Events freut sich über den großen Erfolg der Veranstaltung und plant bereits die Kleinkunstkartoffel 2014.

Buchtipp: Pater Martin: Helfen. Lachen. Freude machen – Lustige und spannende Kurzgeschichten über die Abenteuer eines Franziskaners.