Jazzfest in der Müllverbrennungsanlage

Dort, wo täglich Berge an Restmüll verbrannt werden, hat am Samstag das Wiener Jazzfest begonnen. Tausende kamen, um in der Müllverbrennungsanlage Spittelau bei zwei Euro Eintritt Livemusik zu erleben. Bereits seit 21 Jahren gibt es Open-Air-Konzerte in der künstlerischen Anlage von Friedensreich Hundertwasser. Es war der Wunsch des Architekten gewesen, das Haus für alle zu öffnen.

Einer der Höhepunkte war heuer die Band 5/8erl in Ehr’n. Tiefenentspannt spielten die Musiker im Sitzen ihre Wienerlieder, die Jazz, Soul und andere Genres streifen. Alles war so gechillt, dass sogar die Charitynummer Schweigeminute für Traiskirchen von Raoul Haspel der Stimmung keinen Abbruch tat. Eine Minute Stille! Aber es funktionierte.
Mit ihren Hits Badeschluss (Das Lied ertönt in den Wiener Freibädern, kurz bevor sie schließen), Alaba, How do you do? (eine Anspielung auf die Aussage eines Politikers) oder Schneid die Melone an (Böser Ohrwurm aus der Bawag-Werbung) sorgten die 5/8erl für einen musikalisch-gemütlichen Sommernachmittag in Wien. Wirklich schön!

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Mit Plüschhasen auf Tour

„Wir erzählen Geschichten“, sagen Georg Höfler und Sigi Mittermayr. „Unsere Lieder sind eine Mischung aus Folk, Blues und Singer-Songwriter – und zwischendurch rennt der Schmäh.“ Die beiden Oberösterreicher sind gerade mit ihrem zweiten Album „Songs & Tales“ auf Tour und haben einige Überraschungen im Gepäck. „Bei einem Stück spielen wir zu zweit auf einer Gitarre. Das macht riesigen Spaß und der überträgt sich auf das Publikum.“

Höfler und Mittermayr im Studio

Dass Georg (r.) und Sigi (l.) mit Schlagzeuger und Bassist unterwegs sind, ist eine einmalige Geschichte. „Nach den CD-Präsentationen sind wir wieder nur zu zweit.“

Sport nach dem Studio
Das neue Album wurde in Sigis Studio in St. Stefan im Mühlviertel aufgenommen. „Nach den Aufnahmen haben wir im Nachbarhaus immer Billard gespielt. Zwei Jahre haben wir an der CD gearbeitet – wir sind also inzwischen richtig gut in Billard.“ Auch die Fangemeinde wird immer größer. Bei einem Straßenkonzert warf einmal jemand einen weißen Plüschhasen in Sigis Gitarrenkoffer. „Wir haben erst danach bemerkt, dass ein Zettel dran war – mit der Handynummer einer Dame. Angerufen haben wir nicht, aber der Plüschhase begleitet uns seither bei jedem Konzert.“

Von Katzen, Tee und Vocatief

Wenn Spaziergänger am Abend plötzlich stehen bleiben, gespannt ihre Ohren spitzen und dann stürmisch applaudieren –  dann proben die sechs Jungs von Vocatief wieder einmal bei offenem Fenster. Wie kürzlich in der Wohnung von Daniel in der Nähe der Mariahilfer Straße. Umgeben von hunderten CDs und einer Hauskatze singen sie Lieder wie Kannst Du Pfeifen, Johanna? und andere beliebte A-capella-Hits. „Das mit der Katze ist eigentlich nicht so ideal, denn Stefan hat eine Katzenallergie“, erzählt Martin. „Aber sonst ist die Wohnung super, denn hier gibt es ein Klavier und jede Menge Schwarztee.“

Flüssiger Speck

Das wärmende Kräuterzeug wirkt aufputschend und ist Balsam für die Stimmbänder der jungen Sänger. „Einmal haben wir einen dermaßen geräucherten Tee getrunken, dass speckig als Geschmacksbeschreibung die Untertreibung des Jahrhunderts war.“ Spaß steht bei den durchaus intensiven Vocatief-Proben an oberster Stelle. So wird beim gemeinsamen Einsingen den ehemaligen Bandmitgliedern gedacht. „Da trällern wir etwa Malte, Malte, Ma-Ma-Ma, Malte, Malte…. zur fröhlich-beschwingten Melodie.“ Ex-Vocatief-Star Malte braut inzwischen herrliches Bier in Deutschland. Und ja – auch der Gerstensaft ist wichtig. Nach der Probe nämlich. Da stoßen die Sänger gemeinsam mit den Worten an: „Guade Prob!“ Jedes Mal.  Denn „jede Prob is a guade Prob.“

Vocatief Probe

Die Weltkugel am Tisch ist eine Teekanne…

Live zu hören sind Vocatief am 21. Oktober im Schloss Ennsegg. Karten um 15 Euro gibt es in allen Raiffeisenbanken in OÖ. Noch. Die Hälfte ist schon weg. Also schnell sein!

„Humptata“ zum Auszucken

Es gibt eine neue Band im Land. Die heißt Klakradl. Und die sollte man sich anhören! Denn bei diesem Musikprojekt machen die genialen Kärntner Duos [:klak:] und Radeschnig gemeinsame Sache. Mit Klarinetten, Akkordeons, Gitarre und Cachon nehmen sich die Profimusiker und Kabarettistinnen zig musikalische Genres vor: Kärntner Lieder wie Gern habn tuat guat stehen genauso auf dem Programm wie der Disco-Klassiker Popcorn.  Aber Vorsicht: Alles wird mit experimentellen Auszuckern, überraschenden Einlagen und oftmals bitterbösen Texten dargeboten. (Plötzlich gesellen sich etwa hungrige Enten, scheinheilige Katholiken oder gar Nazis aus der Verwandtschaft dazu…) Am Freitag hatten Klakradl ihren ersten Auftritt in Wien im Theater am Spittelberg.  Fazit: Hoffentlich folgen noch viele weitere Shows. Denn so machen Humptata, Jazz und Co großen Spaß! => Trailer

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Klassik für das Wochenende

Ein ideales „Afterwork-Konzert“ hat im Konzerthaus stattgefunden. Es spielte das Irish Chamber Orchestra mit Jörg Widmann (Klarinette) und Igor Levit (Klavier). Besonders an diesem Abend war das wunderbar entspannende Programm. Von Mozart wurden die Ouvertüre zu „Don Giovanni“, Adagio und Fuge für Streicher c-moll und das Konzert für Klavier und Orchester C-Dur (Das kennt man!) dargeboten. Danach noch der zweite Satz der Sonate Es-Dur für Klarinette und Klavier sowie die Symphonie Nr. 5 D-Dur von Felix Mendelssohn Bartholdy. Fazit: Eines ist klar – live spürt man mehr. Aber auch so kann nur empfohlen werden, diese Stücke in seine Wochenend-Playliste zu packen und zu genießen.

Das Irish Chamber Orchestra in Wien

Das Irish Chamber Orchestra im Konzerthaus

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Ritterschlag für einen Posaunisten

Er ist in Oberösterreich aufgewachsen, nun 43 Jahre alt und erster Posaunist bei den Wiener Symphonikern. Am 28. Oktober tritt Walter Voglmayr mit Pro Brass in der Stadthalle Enns auf. Wir haben den Spitzenmusiker getroffen und mit ihm über die Faszination Blasmusik gesprochen.

Schon als kleines Kind war Walter Voglmayr fasziniert davon, wenn die Musikkapelle durch seinen Heimatort Enzenkirchen marschiert ist – sei es zur Birkenrally (Fronleichnam) oder zu anderen festlichen Anlässen. Vor allem die Posaunisten in den hinteren Reihen hatten seine Aufmerksamkeit. „Denn die drückten nicht einfach irgendwelche Tasten, sondern arbeiteten sich Zug für Zug von Ton zu Ton. Da war Action!“ Da Walters Arme im Alter von acht Jahren noch zu kurz waren, lernte er zuerst Tenorhorn und erst vier Jahre später das Posaunenspielen.

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Löffel-Walross Walter Voglmayr

Keine Grenzen bei Blasmusik

Als Kind sah er auch seine ersten Pro-Brass-Konzerte in Oberösterreich. „Das war eine richtige Initialzündung, ein unglaublicher Motivator für einen jungen Musiker wie mich. Weil ich gesehen habe, was mit einem Blechblasinstrument alles möglich ist und dass es keine Grenzen gibt.“ Dass er viele Jahre später nicht nur als erster Posaunist bei den Wiener Symphonikern engagiert wurde, sondern auch bei Pro Brass mitspielen durfte, war für ihn wie ein Ritterschlag.

Suche nach der Pro Brass-Wolke

„Du musst extrem viel üben, damit du ein Pro Brass-Konzert genießen kannst. Ich bin einmal vor einer Tournee nicht viel zum Üben gekommen, das bringt dich fast um. Die Proben sind extrem, du musst dich super vorbereiten, aber die Freude miteinander zu musizieren ist immens. Und natürlich hast du eine irrsinnige Gaudi, wenn du die bekannte Pro Brass-Wolke wieder suchst, findest oder daran arbeitest. Weil wenn jeder in sein Instrument hineinröhrelt wie ein Stier, heißt das noch lange  nicht, dass es gut klingt.“ Für Walter Voglmayr ist Pro Brass ein musikalischer Ausnahmezustand. „Du kannst Pro Brass nicht kategorisieren und du kannst die Musik schwer in Worte fassen, du musst sie eigentlich hören, im Konzert drinnen sitzen und dich von der ganzen Kraft der Musik verzaubern lassen.“

Konzertinfos: Pro Brass: „Gemischte Marmelade – frisch aufgekocht“, Oktober 2016, 19.30 Uhr, Stadthalle Enns, Karten in der Raiffeisenbank Oberösterreich.

Monteverdi in Surround-Sound

Alte Musik auf alten Instrumenten in einer alten Kirche mit alten Zuhörern. Klingt nicht spannend? Doch, wenn Claudio Monteverdis Marienvesper vom Originalklangensemble Barucco und dem Chor Ad Libitum sowie !!! sechs !!! Gesangssolisten unter der Leitung von Heinz Ferlesch im Stift Melk dargeboten wird. TOP: Die Besucher konnten das selten aufgeführte Sakralwerk am Wochenende also in einzigartiger Kulisse voller Fresken und Gold erleben – und quasi in Surround-Sound 5.1. Denn die Sänger verteilten sich auf der Empore in der gesamten Stiftskirche. Welch entspannender, sanfter Hörgenuss! (Hörbeispiel)

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Die ausverkaufte „Marienvesper“ im Stift Melk

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