Die Hungrigen und die Satten

Timur Vermes ist „wieder da“ – und zwar mit seinem Roman „Die Hungrigen und die Satten“ (Eichborn Verlag). Dieses Mal geht es nicht um Hitler, sondern um Europas Umgang mit Flüchtlingen. Der Inhalt: 150.000 Flüchtlinge verlassen ein Lager und marschieren – gefilmt von einem Privatsender – nach Europa. Die Sendung wird ein Quotenhit und sorgt für Millionen Euro an Werbeeinnahmen.

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„Die Hungrigen und die Satten“ ist kulturblogger.at zur Verfügung gestellt worden.

Das Buch ist der „zweite Geniestreich“ von Vermes (sprich Vermesch), der noch „böser, realistischer und komischer“ als sein offizieller Debütroman ist, sagt Schauspieler Christoph Maria Herbst, der das Hörbuch eingesprochen hat. Aber es gibt auch kritischere Stimmen. Der Falter ist etwa der Ansicht, dass im neuen Bestseller Klischees über Politiker und Medienmenschen „abgemolken“  werden. Es lese sich überhaupt „wie ein Filmscript – inklusive detailfreudiger Regieanweisungen, die sich dem Verzehr von Kirschtomaten oder dem Getränkekonsum widmen.“ Fazit: Wer das 510 Seiten dicke Buch nicht lesen mag, kann auf den Film warten. Der kommt bestimmt.

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Was ist das Geheimnis der Kunst?

„Ist das Kunst – oder kann das weg?“ Es ist gar nicht so einfach zu beurteilen, was ein Kunstwerk ist. Für Olaf Eulitz sind Kreativität und Können die Voraussetzung für künstlerisches Schaffen. Damit es sich aber tatsächlich um Kunst handelt, braucht es auch so etwas wie eine Aura. „Wir erwarten heute von Kunst zu Recht mehr als ein gutes Handwerksstück. (…) Wir hoffen auf ästhetische Erlebnisse, ungewöhnliche Einsichten, Originelles, Anregendes und Zeitgemäßes. Vor allem ’neu‘ sollte es sein“, schreibt der Autor. Für Eulitz ist Kunst mehr als nur Spielerei und Unterhaltung.

In seinem Buch Der Kunsthammer reist der Autor auf knapp 200 Seiten durch die Kunstgeschichte – und schenkt seinen Leserinnen und Lesern viele Kriterien und Vokabel, um über Kunst diskutieren, womöglich auch urteilen zu können.

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(c) VG Bild-Kunst, Bonn 2016

„Der Kunsthammer“ – Ein Handbuch zur kritischen Kunstbetrachtung“ von Olaf Eulitz, erschienen 2016 im Novum Verlag, ist kulturblogger.at kostenlos zur Verfügung gestellt worden.

Italien in kleinen Portionen

Was im Internet bei Unterhaltung funktioniert, klappt wohl genauso bei Büchern: Inhalte in Portionen aufgeteilt. Nummerierte Listen statt Fließtexte. Deshalb heißt Markus Eberts Anekdotenbüchlein vielleicht auch „Wie man Italiener wird in 30 Lektionen.“ Das Buch hat 95 Seiten – auf Deutsch, und wenn man es umdreht und von hinten liest, dann noch einmal 95 Seiten auf Italienisch. Der Inhalt ist angeblich derselbe. Eberts schreibt locker-flüssig und amüsant. Die Kapitel lassen sich wunderbar häppchenweise nebenbei konsumieren. Gezeichnete Pizzen, Fahrräder, Fußbälle usw. lockern den Text zusätzlich auf.  Perfekte Vorurlaubs- oder Zuglektüre.

Wichtige Vokabel für die Autofahrer

Der (deutsche) Leser wird immer wieder direkt angesprochen und vor italienischen Besonderheiten gewarnt. Er lernt wichtige Wörter wie scemo (Dummkopf), cretino (Vollidiot), stupido (Dussel), imbecille (Trottel) oder figlio di puttana (…). Generell bestätigt Ebert sämtliche Italien-Vorurteile mit Augenzwinkern. Problem-Verdrängung, Entschleunigung, Genuss, Familie, Stolz, Sonne, Strand und Meer – alles so, wie man es sich vorstellt, nur extremer. Fazit: Das Büchlein weckt Sehnsüchte und den Wunsch, sich ein bisschen etwas von den Italienern und ihrer mediterranen Lebenseinstellung abzuschauen. Ob die Lektionen dabei helfen, sei dahingestellt. Die Lust auf einen sofortigen Italien-Urlaub steigt auf jeden Fall. Und dort wird man wie von selbst zum Italiener –  wenn auch nur auf Zeit.

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Markus Ebert: Wie man Italiener wird in 30 Lektionen, Droemer-Knaur, 9.99 Euro

Buchtipp: „Pater Martin 2“ von Florian Kobler – rund 80 neue Anekdoten und Abenteuer des beliebten Franziskanermönchs. Mit humorvollen Comics von Georg Atteneder.

Golf im Orchestergraben

Selten war Text so egal, wie in Rene Polleschs Stück „Cavalcade or Being a holy motor“, das derzeit am Wiener Akademietheater zu sehen ist. Natürlich, Martin Wuttke, Birgit Minichmayr und Ignaz Kirchner spulen in ihrem pausenlosen Redefluss große Themen wie Liebe, Träume und Gesellschaft mithilfe zahlreicher Anspielungen und Zitate, von Sigmund Freud, über Star Wars bis zu Britney Spears, und mit Humor ab. Doch die Aufmerksamkeit liegt auf eigentlich woanders: Bei ihren Spielzeugen auf der Bühne.

Hingucker: Ein Kampfjet schwebt über der Bühne

Hingucker: Ein Kampfjet über der Bühne

Zum einen wäre da der Orchestergraben, der mit bunten Plastikbällen – wie man sie aus dem Kinderparadies im Einkaufszentrum kennt – gefüllt ist. Hier gehen die Schauspieler golfen – oder auf Tauchstation. Zum anderen ein riesiger Kampfjet, der über der Bühne schwebt. Diesen entern die Schauspieler im Brautkleid oder im Affenkostüm. Oder sie landen das Flugzeug in New York. Fazit: Klingt verrückt und absurd? Ist es auch. Aber für 75 Minuten unterhaltsam und abwechslungsreich genug.

Buchtipp: „BlöZinger – Und davon kann man leben?“ von Florian Kobler – ein humorvolles Taschenbuch über das schrägste Clown- und Kabarettduo Österreichs.

Gemütlicher Jazz aus Österreich

Simone Kopmajer hat unter dem Titel „the best in you“ ein neues Album herausgebracht. Mit zwölf Songs zeigt sich die österreichische Jazzsängerin von ihrer besten Seite. Neben den selbst geschriebenen Songs sind auch ein paar Covernummern, wie der Nummer-1-Hit „Blue Bayou“ von Roy Orbison und Joe Melson, auf der Scheibe. Begleitet wird Kopmajer klassisch von Klavier, Gitarre, E-Bass und Schlagzeug, manchmal auch von Flöte, Sax, Akkordeon, Harmonika und Blechbläsern.

kopmajer

Wie schon das CD-Cover mit den verschwommenen Lichtern anzeigt, eignet sich die CD perfekt für gemütliche Abendstunden. Die Jazznummern laden 56 Minuten zum Entspannen und Cocktailtrinken ein. Erwähnenswert ist der einminütige Bonustrack, der mit Störgeräuschen an ein altes Radio erinnert. Retro-Feeling! Fazit: Ein rundum stimmiges, österreichisches und absolut hörenswertes Jazzalbum.

Neues Buch: „Ping Pong Poetry“

Eine persönliche Rezension vom Taschenbuch „Ping Pong Poetry“ von Mieze Medusa und Markus Köhle. Erschienen im Milena Verlag.

Buchtipp: Pater Martin: Helfen. Lachen. Freude machen – Lustige und spannende Kurzgeschichten über die Abenteuer eines Franziskaners.

„Der Metzger kommt ins Paradies“ von Thomas Raab

Ein kurzer persönlicher Eindruck vom Buch „Der Metzger kommt ins Paradies“ von Thomas Raab:

Buchtipp: Pater Martin: Helfen. Lachen. Freude machen – Lustige und spannende Kurzgeschichten über die Abenteuer eines Franziskaners.